Auf Safari im unbekannten Uganda
10.12.2019 | Autor: Elisa Stoll

Auf Safari im unbekannten Uganda

Interview mit Ronald Kabiito über das Reisen in Uganda

Das touristisch recht unbekannte Uganda hat so einige Highlights auf Lager. Der Grund, wofür die meisten Reisenden Uganda besuchen, ist der Besuch bei den letzten Berggorillas im ugandischen Regenwald. Diese majestätischen Tiere aus nächster Nähe zu beobachten ist sicher ein Erlebnis, das man kaum mehr vergessen wird. Aber Uganda kann mehr. Auf zahlreichen Safaris könnt ihr neben den „Big Five“ auch Giraffen, Geparden, Zebras usw. begegnen. Ronald Kabiito erzählt euch in einem kurzen Interview worauf es bei einer Reise in Uganda ankommt. 

Ein Fluss im Regenwald Ugandas

1. Kannst du uns ein bisschen über dich erzählen? Wer bist du, woher kommst du und wie bist du zum Tourismus gekommen?

Ich heiße Ronald Kabiito. Ich bin 24 Jahre alt und komme ursprünglich aus Kibale im Westen Ugandas. Aufgewachsen bin ich jedoch in Kampala. Meine Hobbies sind das Reisen, fremde Sprachen lernen und unterschiedliche Kulturen kennenlernen. Deutsch habe ich in der Mengo Senior School gelernt und nach meinem Abitur habe ich „Fortgeschrittene Deutsche Pädagogik“ an der Universität Makerere in Kampala studiert. Durch meine Sprachkenntnisse und meine große Liebe für die Natur und das Reisen bin ich schließlich zum Tourismus gekommen. 

2. Du kennst Uganda in und auswendig. Was schätzt du am meisten an deinem Land und was möchtest du unseren Gästen bei ihrer Reise mit auf den Weg geben, wenn sie Uganda besuchen? 

Am meisten schätze ich die verschiedenen Kulturen Ugandas, wie die Kiganda, Batwa und die Karimojong Kulturen. Die Karimojong zum Beispiel, sind bekannt dafür, gerne das Blut von Kühen und anderen Haustieren zu trinken. Dieses Ritual ist zugegeben sehr gewöhnungsbedürftig, aber eben auch ganz speziell für diese Region und diese Völkergruppe. Außerdem macht es mir sehr viel Spaß unseren Gästen die verschiedenen Lebensgewohnheiten der ugandischen Bevölkerung näherzubringen. Denn obwohl viele Touristen oft nur wegen der Primaten kommen, sind viele im Nachhinein von der Vielseitigkeit der ugandischen Kultur und Tradition begeistert.

Einheimischer transportiert Bananen auf seinem Fahrrad in Uganda

Hütte in der Savanne Ugandas

3. Was müssen die Reisenden, die nach Uganda kommen, wissen oder beachten? 

Vorne weg: In Uganda leben die freundlichsten Menschen in ganz Ostafrika. Sowohl Kinder wie auch ihre Eltern sind immer froh Touristen zu sehen. Oft hört man sie "Mzungu" rufen, was auf Deutsch „weiß“ bedeutet. Das ist nicht als Schimpfwort zu verstehen, sondern als Ausruf, dass seltene Gäste gekommen ist! In Uganda gibt es noch verschiedene Königreiche zum Beispiel Buganda im Zentrum, Bunyoro im Westen, Busoga im Osten etc. Die Einheimischen respektieren die Könige und bringen ihnen hin und wieder Geschenke. Daher sollte man auch als Reisender Respekt davor haben. 

Wie überall auf der Welt, darf man weder die Polizei, die Armee oder sonstige staatliche Amtsträger fotografieren. Auch sollte man keine weinenden Menschen oder Trauerfeiern fotografieren. Am besten man fragt einfach kurz nach (entweder die Person selbst oder den Guide), ob es okay ist, ein Foto zu machen. Anders als in Deutschland hatten die Ugander früher große Probleme mit der Pünktlichkeit. Dies hat sich im Laufe der Zeit aber sehr verändert und sogar Deutsche können hier jetzt von „pünktlich“ sprechen. 

4. In Uganda möchte natürlich jeder die Berggorillas und Schimpansen sehen. Gibt es eine Garantie diese auch wirklich zu Gesicht zu bekommen?

Die gute Nachricht zuerst: Ich kenne keinen Gast der die Gorillas nicht gesehen hat. Die Tiere werden den ganzen Tag aus der Ferne von Rangern beobachtet, die dann über den genauen Standort der Gorillas Bescheid wissen. Die Wahrscheinlichkeit die Gorillas zu sehen liegt also bei ca. 99 %. Ganz sicher kann man natürlich nie sein, schließlich sind es eigenständige Lebewesen. 

5. Wie kommt der hohe Preis von teilweise bis zu 650 USD für die Gorilla-Permits zustande?

Einer der Gründe für die hohen Preise ist die begrenzte Anzahl der Berggorillas auf unserem Planeten. Die Gelder tragen in hohem Maße zum Schutz der gefährdeten Tiere bei. Außerdem spielt maßgeblich die Nachfrage eine Rolle. Je nachdem, wie viele Reisende diese seltenen Tiere sehen möchten, desto mehr schwankt der Preis für das Gorilla-Tracking. Auch die Habituierung, also die Gewöhnung der Affen an die Menschen, ist sehr zeitaufwendig und mit hohen Kosten verbunden. 

6. Wie läuft das genau ab mit der Besichtigung der Gorillas? 

Für ein Gorilla-Tracking ist es unerlässlich fit und gesund zu sein. Gesund, da die Gorillas uns Menschen sehr ähneln und deshalb ebenso leicht anfällig für unsere Erkrankungen sind. Wer sich am Tag des Trackings unwohl fühlt, darf leider nicht teilnehmen. Fit muss man sein, da eine Wanderung durch den dichten Urwald mehrere Stunden dauern kann. Die Hitze und die unterschiedlichen Höhenlagen (teilweise mit Bergen von bis zu 2.000 Metern Höhe), können auf Dauer sehr anstrengend sein. 

Pärchen oder Familienmitglieder bleiben normalerweise in einer Gruppe, falls es sich um nicht mehr als 8 Personen handelt. Denn pro Gorilla-Gruppe sind nur 8 Personen zugelassen. Besteht eine Tracking-Gruppe aus mehr als diesen 8 Personen, wird sie aufgeteilt. Hat man die Berggorillas nach längerem Marsch gefunden, darf man eine Stunde bei ihnen bleiben und sie beobachten. Als Ausrüstung rate ich unseren Gästen immer lange Hosen und langärmlige Hemden oder T-Shirts anzuziehen, da es im Wald Dornen und Insekten gibt. Gamaschen sind auch sehr hilfreich, besonders wegen der Ameisen. Da wir im Regenwald unterwegs sind, sollte im Gepäck auch immer gute Regenkleidung und Regenschutz für die Kameraausrüstung vorhanden sein.  

Wenn man den Gorillas schließlich gegenübersteht, muss man zudem auf einige Dinge achten. Zum Beispiel darf man nur ohne Blitz fotografieren. Essen und Trinken sind nur im Abstand von mehr als 200 Metern erlaubt und berühren darf man die Affen natürlich auch nicht. Vor Ort wird all dies und mehr noch einmal genau erklärt.

7. Außer Gorillas gibt es doch sicher noch andere Tierarten in Uganda. Welchen Tieren kann man auf einer Uganda-Reise noch begegnen?

In Uganda gibt es natürlich viele andere Tiere wie zum Beispiel: Löwen, Nashörner, Büffel, Leoparden, Elefanten,… Also die klassischen „Big Five“, aber auch Giraffen, Zebras, Geparden, Löffelhunde, Flusspferde, Uganda-Kobs, Pinselohrschweine, Schimpansen, Paviane und viele Vögel, wie Kronenkraniche, Bienenfresser, Störche, Pelikane, Geier, Adler,… Da könnte ich noch so einige aufzählen. Ich kann nur sagen, auch Safaris neben dem Gorilla-Tracking lohnen sich allemal. 

Flusspferd mit aufgerissenem Maul

Kopf eines Löwen

8. Inwiefern unterscheiden sich die Tierbeobachtungen zu Ländern wie beispielsweise Tansania oder Südafrika?

Meiner Meinung nach sind Tierbeobachtungen in Uganda besser als in Tansania und Südafrika, da es in Uganda eine Vielzahl an verschiedenen endemischen Tier- und Vogelarten gibt. Der zweite Grund sind die wenigen Touristen im Land. Anders als in Südafrika oder Tansania gibt es in Uganda so gut wie keinen Touristenverkehr und man hat als Reisender fast immer genug Platz und Ruhe zum Beobachten der Tiere. Gerade diese Abgeschiedenheit und Einsamkeit macht den Luxus Ugandas aus!

9. Wie können unsere Gäste dazu beitragen, dass die Tiere und die Natur (besser) geschützt werden? Welche Rolle spielt die Nachhaltigkeit in Uganda?

11 % der Fläche Ugandas stehen bereits unter Naturschutz. Gerade dadurch, dass Touristen unser Land besuchen, unsere einzigartigen Landschaften entdecken und unsere Tiere beobachten wollen, leisten sie bereits einen großen Beitrag zum Schutz und zur Erhaltung der Natur- und Tierwelt. Von den Eintrittsgeldern in die Nationalparks fließen 20 % der Einnahmen direkt an die umliegende Bevölkerung. Auch viele Jobs werden in den Nationalparks geschaffen, sodass die Menschen in der Umgebung um die Wichtigkeit des Tourismus und den Schutz der Tiere wissen. Uganda setzt auf sanften (nachhaltigen) Tourismus und gerade bei den Berggorillas, der Elefanten- und der Rotschildgiraffen-Population konnten in den letzten Jahren große Erfolge erzielt werden. 

Neugierig auf die Perle Afrikas? Dann kommt mit uns auf eine spannende Reise in das unbekannte Uganda. Im Februar startet unsere Pilotreise „Wildes Uganda“, bei der auch Geschäftsführer Rainer dabei sein wird. Anschließend könnt ihr euch auf einen Reisebericht hier im Blog freuen.  


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