Bootsfahrt in Cuero y Salado Honduras

Aus dem Reisetagebuch eines Pärchens mit Handicap – Part five: Abenteuer Karibikküste

09.01.2018 | Erstellt von Regina Vollbrecht & Roland Zimmermann |
Kategorie
Honduras

Wir starten unseren Blog im neuen Jahr mit dem fünften Teil des Reiseberichts von Regina und Roland. Die beiden waren im September in Honduras unterwegs und das Besondere an ihren Erfahrungen ist, dass Sie diese Reise unternommen haben obwohl Ihnen einige Reiseveranstalter Steinen in den Weg gelegt hatten, nach dem Motto „Geht nicht“. Regina und Roland sind blind, aber das stellte weder für Sie, noch für uns ein Problem dar. Im vorletzten Kapitel erfahrt ihr mehr über die Karibikküste des Landes.

Karibik wir kommen
Da uns am Montag (25.09.2017) knapp 400 Kilometer Fahrstrecke in den Norden des Landes nach Trujillo bevorstanden, waren wir um 07:00 Uhr zum Frühstück verabredet. Die Straßen sind nicht immer gut beschaffen, in den Ortschaften sind sie mit hohen Schwellen versehen, die als Geschwindigkeitsbegrenzung dienen und dann sind des Öfteren Pisten zu befahren oder Flussläufe zu durchqueren. Das typische Frühstück bestand aus Rührei, Bohnenmus, Tortillas und Kochbananen. Die doch sehr frühe Frühstückszeit im Urlaub machte uns gar nichts aus, geholfen hat uns, dass unsere innere Uhr noch an der deutschen Zeit hing. Meist schliefen wir schon sehr früh ein und erwachten dementsprechend.

Die 6,5-stündige Fahrt führte in nordöstlicher Richtung über Berge, durch eine bewaldete Region, wo Forstwirtschaft betrieben wird. Wir sahen Ochsen, die Baumstämme aus dem Wald zogen. Einige Male mussten wir auch anhalten, weil Ochsen oder Pferde ohne menschliche Begleitung die Straße überquerten. Je näher wir dem Tagesziel kamen, umso häufiger tauchten Ölpalmen auf. Nicht nur das, sondern auch die Temperaturen stiegen deutlich an. Am Nachmittag erreichten wir die Stadt Trujillo, eine Stadt, die auf einem Hügel, direkt an der Karibik liegt. Zwei Nächte wohnten wir hier im Hotel La Quinta Bay. Am Abend unternahmen wir noch einen kleinen Stadtspaziergang, wir besuchten u.a. das Denkmal von Christoph Columbus – Trujillo ist der Ort, an dem Kolumbus im Laufe seiner vierten und letzten Reise in die Neue Welt am 14. August 1502 zum ersten Mal einen Fuß auf das amerikanische Festland setzte. Anschließend aßen wir in einem Lokal direkt am Sandstrand beim Rauschen der Wellen zu Abend, sehr schön!

In Touch mit der Geschichte
Wir frühstückten am nächsten Morgen (Dienstag, 26.09.2017) wieder im am Strand gelegenen Restaurant (vom Vorabend), weil unser Hotel kein Frühstück anbot und wir den Ort so wunderschön fanden. Danach besichtigten wir das Fortaleza de Santa Barbara – ein ehemals spanisches Fort, das 1550 zur Verteidigung gegen Piraten errichtet wurde. Wir konnten einen runden Wachturm besteigen sowie verschieden große Kanonen und die umgebene Mauer anfühlen. Im Museum selber gab es zwar nichts zu befühlen, aber Heinz beschrieb uns alles in den Vitrinen befindliche. Verschieden große Kanonenkugeln, Textilien, Keramik, alle Zeugnisse zeigten die Kämpfe zwischen den Engländern und Spaniern. Auch dem früheren französischen Konsulat auf der anderen Straßenseite statteten wir einen Besuch ab. In dem Gebäude, dem deutliche Verfallsspuren anzusehen sind, sind heute Geschäfte untergebracht. Wir waren in einem Schuhgeschäft und bestaunten Schuhe mit unglaublich hohen Absätzen. Danach fuhren wir zum Banana Beach, einem Beachclub. Dorthin führte eine Schotterpiste. Wir mussten mehrere Furten durchfahren, was kein Problem war, weil sie kaum Wasser führten. Bei Regen können diese jedoch gar nicht oder nur unter großer Lebensgefahr durchquert werden. Besucher können im Beachclub in Hütten wohnen, ein Bad im Pool oder Meer nehmen und das Essen im Restaurant genießen. Nachdem wir ein kühles Getränk auf der Terrasse eingenommen hatten, genossen wir das wunderbar warme Wasser der Karibik, ruhten auf den Liegestühlen unter Palmen am Strand aus und aßen ein frühes Abendessen. Ich verzehrte erstmalig in meinem Leben mit Käse gefüllte und panierte Chilischoten: scharf, aber wirklich lecker! Auch lernten wir den Koch Jürgen kennen, der schon seit 17 Jahren in Honduras lebt.

Von Schmalspurbahnen und Seekühe
Am Mittwoch, dem 27.09. starteten wir schon um 06:00 Uhr, denn es ging zu unserem letzten Aufenthaltsort Tela, verbunden mit einem Ausflug, der uns zunächst nach La Union führte. Dort angekommen nahmen wir das alte Schmalspurbähnchen bis zum Besucherzentrum. Es ist die einzige noch betriebene Zugstrecke des Landes. Sie wird von wenigen Besuchern genutzt. An diesem Tag aber war es anders, da der Tourismusminister mit seinem Gefolge und in dessen Sog ein Fernsehteam und die Direktorin der Stiftung, welche für die Förderung des Nationalparks Cuero y Salado zuständig ist, ihren Besuch angesagt hatten. In ministerialer Begleitung saßen wir in einem Zug, der aus einem Waggon und von einem mit Diesel angetriebenen Triebwagen besteht und auf einer eingleisigen Strecke fuhr. Aufgrund des großen Besucherstroms wurden zwei Züge eingesetzt. Die Waggons sind offen und überdacht, man saß sich in Dreier Reihen gegenüber. In 30 Minuten fuhren wir durch bewaldetes Gebiet, vorbei an Weiden und Siedlungen. Wie sich jeder denken kann, war die Fahrt laut und langsam. Am Besucherzentrum angekommen, erwartete alle eine kleine Sensation. In diesem Gebiet leben Seekühe. Vor einigen Tagen war ein Seekalb angespült worden, was nun mit der Flasche aufgezogen werden muss. Wir erlebten aus drei Metern Entfernung die Fütterung und alle nahmen dies begeistert auf. Wir konnten sogar seine Rufe hören, durften es aber nicht anfassen, damit keine Krankheiten übertragen werden. Für uns äußerst schade war, dass so viele Gäste vor Ort waren, denn ansonsten hätten wir das Tier berühren dürfen. Wir bestiegen ein Motorboot und erkundeten die weitläufigen Mangroven und den Küstenregenwald mit seinen teilweise überwucherten Kanälen und Flüssen. Wir hörten Brüllaffen und verschiedene Vogelarten wie den Webervogel und dem dort sogenannten Buhaha. Der Ruf dieses wohl recht plumpen Vogels klingt wie das Lachen eines Menschen. Auch konnten wir die Blätter, Früchte, Samen und Wurzeln der Mangroven befühlen. Sie schützen das Land vor Stürmen, da dieser sich in den Mangroven austoben kann. Da es zu regnen begann, fuhren wir zurück und nicht mehr zu der Stelle, wo man theoretisch die sehr scheuen Seekühe hätte treffen können. Wir fuhren mit der Bahn zurück und von dort aus noch eine Autostunde bis ins an der Nordküste gelegene Tela, wo wir für vier Nächte im Hotel Playa Bonita wohnten. Das Hotel lag nur 50 Meter vom Karibikstrand entfernt.

Im letzten Teil des Honduras-Reiseberichts erfahrt ihr wie es den Beiden bei den Garifuna Indianern ergangen ist.