Aussicht auf einer Höhenlage des La Tigra Nationalparks, Honduras

Aus dem Reisetagebuch eines Pärchens mit Handicap – Part four: Großstadtdschungel und Naherholungsgebiete

18.12.2017 | Erstellt von Regina Vollbrecht & Roland Zimmermann |
Kategorie
Honduras

Regina und Roland waren im September mit travel-to-nature in Honduras unterwegs. Die beiden sind blind und reisen trotz ihres Handicaps für ihr Leben gerne. Nachdem ihr in den vergangenen Wochen bereits vom Anfang ihrer Reise und von den Eindrücken und Erlebnissen der beiden im honduranischen Regenwald und bei den Ruinen von Copán erfahren habt, geht es im 4. Teil des Reiseberichts in den Ballungsraum der Hauptstadt Tegucigalpa.

Die ehemalige Hauptstadt
Unsere Tagestour am Samstag (23.09.2017) führte südlich in die koloniale Stadt Comayagua. Die exakt zwischen Pazifik und Atlantik gelegene Stadt ist auch die ehemalige Hauptstadt des Landes. Die Stadt selbst ist Zeitzeuge einer Kultur, die sich hauptsächlich mit der Landwirtschaft dieses fruchtbaren Tals beschäftigt. So sind auf Häuserfassaden, Gemälden und sogar auf Altären von Kirchen Bilder von Ananasfrüchten, Palmen und dunkelhäutigen Menschen zu sehen. Wir schlenderten durch die Fußgängerzone und kamen dabei an der Unabhängigkeitskirche vorbei, unseren obligatorischen Eiskaffee nahmen wir auf der Plaza Central de Comayagua ein.

Die gefährlichste Stadt Mittelamerikas
Auf unserer Weiterfahrt tangierten wir Tegucigalpa, die heutige Hauptstadt Honduras. Heinz erzählte, dass es für Touristen hier nicht sicher sei, einen einheimischen Bus zu nutzen, da tägliche Überfälle an der Tagesordnung seien. Auch gäbe es einen Bus, der aus Sicherheitsgründen nur für Frauen bestimmt ist. Im Wikipediabericht über Tegucigalpa lässt sich ein ganz guter Eindruck von der Sozialstruktur der Stadt gewinnen, die durchaus auch auf das ganze Land übertragbar ist - hier liest man von den colonias (den von bewaffnetem Sicherheitspersonal bewachten Wohngebieten der Wohlhabenderen) und den barrios marginales (den Wohngebieten der Armen), vom Gegensatz zwischen Arm und Reich, zwischen Moderne und Vorzeit, zwischen Aufbruch und Rückschritt. Wir wollten nicht in der lauten umtriebigen Hauptstadt übernachten und so wählten wir als Tagesziel das Valle de Angeles (Tal des Engels), hier übernachteten wir zwei Nächte im Hotel Posada del Angel.

Die grüne Lunge Tegucigalpas
Nun hatten wir schon eine Woche in Honduras verbracht und es war Sonntag, der 24.09.2017. In Deutschland fanden die Bundestagswahlen statt (wir haben dies selbstverständlich im Vorfeld per Briefwahl erledigt), in Berlin selber die Abstimmung über den Erhalt des Flughafen Tegel und auch der Berlin Marathon wurde durchgeführt.
Unser heutiger Ausflug führte uns vorwiegend über unbefestigte Straßen in den Nationalpark La Tigra (Die Tigerin). Nur 37 km von der Hauptstadt Tegucigalpa entfernt befindet sich dieser älteste Nationalpark von Honduras, etwa 329,16 km² groß. 1958 wurde hier die "Reserva Forestal Nr.1" ausgerufen, und dieses 1980 per Gesetz Nr.976 zum Nationalpark "befördert". Der Bergregenwald, oder auch Nebelwald genannt, produziert etwa 40% des Trinkwassers für die Einwohner der Hauptstadt Tegucigalpa. La Tigra ist der größte noch verbliebene Naturraum in der Umgebung von Tegucigalpa und wird treffenderweise "Lunge der Hauptstadt" genannt. Im Nationalpark selbst befinden sich gute Wanderwege für unterschiedlich schwierige Ansprüche, bei denen man zwischen einem kurzen "Beine vertreten" bis hin zu einer 5-stündigen Wanderung durch den Nebelwald auf die andere Seite des Nationalparks wählen kann. Im Nationalpark selber befindet sich eine ehemalige Goldmine, die von 1880 bis 1954 in Betrieb war. Auf dem Weg dorthin passierten wir die ehemalige amerikanische Botschaft und heute noch bewohnte, auf Stelzen stehende, Hütten. Am Eingang des eigentlichen Parks ist noch das Krankenhaus zu finden. In ihm befinden sich heute das Büro und die Jugendherberge, jedes Zimmer ist mit sechs Doppelstockbetten und einem Bad ausgestattet.

Mit einem weiteren Guide, der auf Roland achtete, wanderten wir auf 1800 Höhenmetern im Park zu einem Aussichtspunkt. Dabei kamen wir auch an Mineneingängen vorbei. Die Minen selber können aber nicht besichtigt werden. Heinz zeigte uns Flechten, deren Wachstum für eine sehr gute Luftqualität steht, diese werden von den Honduranern als Schmuck für den Weihnachtsbaum genutzt. Spontan wollten wir noch eine deutsche Familie aufsuchen, die in dem Dorf lebt, Übernachtungsmöglichkeiten anbietet und Marmelade produziert, aber diese war nicht bereit, uns außerhalb ihrer Öffnungszeiten zu empfangen (die uns Deutschen nachgesagte Mentalität ließ Grüßen). Wieder im Valle de Angeles angekommen, absolvierten wir eine 30-minütige Sightseeingfahrt mit einem Motortaxi, aus Sri Lanka kannten wir das dreirädrige Gefährt als Tuk Tuk. Vorbei fuhren wir am Haus des ehemaligen Präsidenten, dem Rathaus, der Kirche und einem Ausbildungszentrum, an dem beispielsweise Bäcker, Friseure, Holzschnitzer, ihr Handwerk erlernen. Allerdings konnten wir nicht die übliche Tour abfahren, weil einige Straßen gesperrt waren. Der Grund hierfür war, dass am Wochenende viele Leute aus der Umgebung in das Dorf kommen, um eine Art Straßenfest zu feiern. Wir besuchten anschließend eine Markthalle, wo Kunsthandwerk wie: Holztruhen, Möbel, Schalen, Tiere, Keramiken etc. ausgestellt waren. Das Abendessen ließen wir uns im Restaurant Anafre servieren, eine Mischung aus Bohnenmus und Kochkäse, von der Konsistenz und vom Ablauf erinnert das Ganze an Fondue, da die Mahlzeit in einer Tonschale auf den Tisch gebracht wird, die von unten her mit Holzkohle befeuert wird. Jeder taucht dann mit den Nachos in die Schale und löffelt das köstliche Mahl heraus.

Im 5. Teil des spannenden Reiseberichts von Regina und Roland geht es an die Karibikküste.

Diese Webseite verwendet Cookies

Wir verwenden Cookies, um Inhalte zu personalisieren und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

OK