Aus dem Reisetagebuch eines Pärchens mit Handicap: Part six: Bei den Garifuna

15.01.2018 | Erstellt von Regina Vollbrecht & Roland Zimmermann |
Kategorie
Honduras

Der sechste und damit letzte Teil des Reiseberichts von Regina und Roland erzählt von ihren Erlebnissen und Eindrücken bei den Garifuna. Sie lernten deren Kultur und Alltag kennen und besichtigten den wunderschönen Nationalpark Punta Sal.

Einblick in das Leben der Garifuna
An unserem ersten Tag in Tela (Donnerstag, 28.09.2017) wurden wir morgens vom Fahrer des Veranstalters Garifuna Tours abgeholt. Die Garifunas sind eine kleine Bevölkerungsgruppe, die sich aus Sklaven westafrikanischer Herkunft und Kariben gebildet hat und die ab dem 17. Jahrhundert über die Karibikinsel St. Vincent nach Zentralamerika gelangt ist. Auf dem Weg zum Nationalpark Punta Izopo hielten wir an verschiedenen Stationen. Zuerst in einer Fabrik, wir würden eher sagen an einem Häuschen, wo der Guifiti produziert wird. Es werden sieben verschiedene Wurzeln mit Rum angesetzt, das ganze zieht dann drei Wochen. Dieser Schnaps schmeckt ähnlich wie bei uns der Jägermeister. Als Nächstes besuchten wir eine Produktion für Musikinstrumente, wo mit Leder oder Kuhfell bespannte Trommeln gefertigt wurden. Auch eine typische Rassel, eine Holzkugel mit Griff sowie eine mit einem Mundstück versehene Seeschnecke, die wie ein Horn klingt. Als Drittes durften wir dem Backen von Maniok Tortillas zusehen. Die Maniok-Mehlmischung wird ohne Fett auf eine durch Holzkohle beheizte Platte gegeben, mit einem Reisigbesen verteilt, einem Holzbrettchen festgeklopft und nach kurzer Backzeit auf eine zweite Platte gewendet. Das fertige Produkt ist mit Chips zu vergleichen und gewürzt schmecken sie gut. Nun besuchten wir eine Bäckerei, wo aus Mehl und Kokosmilch, Brötchen und Brote gebacken wurden. Wir durften den rohen Teig befühlen und riechen. Auf dem Rückweg kauften wir für 50 Lempiras eine Packung mit fünf Kokosbrötchen.

Kajak- und Shoppingtour
Von der Bäckerei aus ging es zu den Kajaks. Roland paddelte mit unserem Fahrer Riccardo, ich mit Heinz. Wir fuhren auf den Kanälen und glitten lautlos in engen Kanälen vorbei an riesigen Baumwurzeln und durch Bereiche, die eng mit Mangroven bewachsen waren. Wir konnten das Brüllen der Brüllaffen vernehmen. Nach der Paddeltour aßen wir im Garifunaort Triunfo de la Cruz, direkt am Strand ein typisches Mittagessen. Dies besteht aus Reis, Bohnen bzw. Bohnenmus, frittierten grünen Kochbananen und Fleisch. Am Nachmittag suchten wir einen Supermarkt auf, um zu ergründen, was es dort so gibt. Es gibt alles zu kaufen, was wir auch bei uns erhalten können. Ähnlich wie in den amerikanischen Supermärkten gibt es Wasser, Säfte und Milch in großen Verpackungseinheiten. Das Besondere ist eine Art Creme, wie nicht ganz fest gewordene, leicht vergoren schmeckende Butter. Da die Familien oft sehr groß sind, findet man große Abpackungen z. B. 30 Eier oder 24 Wienerwürstchen. Chips-Tüten hatten die dreifache Größe wie die in Deutschland. Auffallend ist, dass der Supermarkt nicht so der Reihenfolge entsprechend sortiert ist. So lassen sich Produkte wie Bier, Kaffee und Kekse an mehreren Stellen im Supermarkt finden. Das Abendessen stand ganz unter dem Zeichen der Kokosnuss, wir aßen die Kokosbrötchen und tranken eine dort übliche Kokoslimonade dazu.

Parque Nacional Punta Sal
An unserem vorletzten Tag (Freitag, 29.09.2017) führte uns eine 45-minütige Bootsfahrt über die Bucht in den Nationalpark Punta Sal. Weiße Strände, geschützte Buchten, üppiger Regenwald – das sind die Kennzeichen von Punta Sal, ebenso wie die Kokoswälder am Strand. Punta Sal ist eines der biologisch vielfältigsten Schutzgebiete in Honduras. Unzählige Vogelarten, Meeresschildkröten, Seekühe, Ozelots, Kaimane, Jaguare sowie Brüll- und Kapuzineraffen sind dort beheimatet. Wir unternahmen eine kurze Wanderung von einer Bucht zur anderen und wieder zur Anlegebucht zurück. Wir konnten ein Stück von einem Termitenbau anfassen und hätten die Bewohner auch verkosten können, wir lehnten dankend ab. Mit dem Boot fuhren wir dann ein Stück weiter zu einer Stelle, an der sich Felsen zu einer wohl schönen Formation aufgetürmt hatten und die für Schnorchler interessant war. Weiter ging es dann zu einem tollen Strand, an dem wir zwei Stunden pausiert haben. Die Zeit nutzten wir, um in dem herrlich warmen Wasser zu baden. Wir konnten Hütten aus unterschiedlichen Materialien wie Brettern, Balken und Palmblättern und unterschiedlichen Bauarten befühlen. Die beiden Familien, die dort leben und das Restaurant bewirtschaften, haben keinen Strom. Auf der Verwaltungshütte, die kaum genutzt wird, ist Solartechnik zu finden, die Familien haben jedoch keinen Zugang zu dem so gewonnenen Strom. Um beispielsweise die Getränke kühlen zu können, wird Eis von den Fischern angeliefert.

Die letzten Stunden in Honduras
Unseren letzten Urlaubstag (Samstag, 30.09.2017) nutzten wir für eine Wanderung im botanischen Garten von Lancetilla, der mit über 1.000 verschiedenen Pflanzen- und mehr als 300 Vogelarten einiges zu bieten hat. Übrigens, bei all unseren Besichtigungen mussten wir keinen Eintritt zahlen. Wir sahen eine Königspalme, eine Maulbeere, den Brotfruchtbaum, den Kokastrauch, Kautschukbaum, Sternfrucht und verschiedene Bambusarten. Es lässt sich dort eine Bambuspflanze finden, die 15 Zentimeter am Tag wächst. Einen Kanonenbaum, dessen runde Früchte sich wie eine Kugel mit rauer Schale anfühlen, gab es auch noch zu bestaunen; und so einiges mehr. Solch eine Frucht kann drei Kilogramm wiegen. Zum Abschluss konnten wir noch Weine und Marmeladen aus einheimischen Früchten sowie Mangostin und Rambutan probieren. Die Mangostin ist mit einem Durchmesser von 2,5 bis 7,5 Zentimeter etwa tomatengroß. Unter der lederartigen, purpurroten Schale sitzt das fast weiße, saftige Fruchtfleisch, welches in einzelne Segmente aufgeteilt ist und sich leicht heraustrennen lässt. Die Pflanzenart Rambutan gehört zur Familie der Seifenbaumgewächse und ist eng mit dem Litschibaum verwandt. Rambutan leitet sich vom malaiischen Wort rambat ab, das „Haar“ bedeutet und verweist auf die dicht mit Borsten besetzte Frucht. Daher wird die Frucht auch behaarte oder falsche Litschi genannt. Das ist sehr treffend, wie ich finde. Wir ließen den Tag mit einem Bad im karibischen Meer und dem Abendessen mit Fischfilet und typischer Bohnensuppe ausklingen.

Back Home
Am Sonntag, den 01.10.2017 war unsere zwei-wöchige Urlaubszeit leider schon vorüber und es hieß für uns Abschiednehmen. Wir starteten gegen acht Uhr nach einem letzten Eiskaffee und fuhren die 100 Kilometer nach San Pedro Sula zum Flughafen. Von dort aus flogen wir über Atlanta und Amsterdam zurück. Da wir Amsterdam früher erreichten als geplant, war unser Gate besetzt und an dem Ersatzgate passte die Treppe nicht, sodass wir eine Stunde im Flugzeug verbringen mussten. Uns störte das nicht, denn wo wir auf unseren Anschlussflug warten mussten, war ja egal. Der Abflug nach Berlin verzögerte sich auch ein wenig, weil ein Passagier nicht an Bord war und das Gepäck aus der Maschine wieder ausgeladen werden musste. Am Ende des Tages aber waren wir dann froh, nach 23 Stunden Reisezeit wieder am 02.10. zu Hause angekommen zu sein.
Eigentlich bleibt nur noch, ein herzliches Dankeschön an Heinz, der sich auf uns eingelassen und uns die schönsten Gegenden auf unserer 2.700 Kilometer langen Rundreise durch Honduras gezeigt hat. Wir hatten die Möglichkeit, das Land mit seinen kulinarischen Spezialitäten, den Nationalparks und Sehenswürdigkeiten sowie seiner Geschichte und Geschichten ganz individuell kennenzulernen. Wir können diese Reise jedem empfehlen, sie ist auch für blinde und sehbehinderte Menschen ein tolles Erlebnis.

 

 

 

 

 

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