Fliegen mit gutem Gewissen
28.05.2019 | Autor: Rainer Stoll

Flugreisen in Zeiten des Klimawandels

Darf ich eigentlich noch mit guten Gewissen fliegen?

Ich fliege weiterhin ohne schlechtes Gewissen. Allerdings fliege ich weniger, denn Fliegen ist klimaschädlich, da braucht man gar nicht drumherum reden. Es muss ja nicht immer ein Kurzurlaub oder ein Wochenende sein, das man sich per Fluganreise irgendwo in Europa gönnt. Wenn eine Reise ansteht, sollte diese gut geplant und einfach von längerer Dauer sein. Sozusagen ein „großer“ Urlaub anstatt viele kleine. Wieso ihr das auch machen solltet, verrate ich euch in diesem Beitrag.

„Flugreisen sind der Klimakiller Nummer 1“ wird oft behauptet, zum Beispiel auch von einem Großteil der Fridays-for-Future-Bewegung. Diese Behauptung wurde irgendwann in die Welt gesetzt und so oft wiederholt, bis sie für allgemeingültig erklärt wurde. Tatsächlich lag der Anteil des CO²-Ausstoßes von Flugreisen im Jahr 2016 bei weltweit 2 %. Zum Vergleich: Der Agrarsektor allein war 2016 für ca. 7,2 % aller Emissionen verantwortlich (Quelle: Umweltbundesamt). Bitte nicht falsch verstehen, 2% sind eine Menge und der Ausstoß kann bei Flugreisen sicherlich noch gesenkt werden – doch die Behauptung zu Beginn des Artikels ist damit eindeutig widerlegt.

Wenn alle Deutschen im Jahr 2016 komplett auf ihre Flüge verzichtet hätten, wären 3,2 % CO²-Emissionen in der Bundesrepublik eingespart worden. Im gleichen Jahr verantwortete die Verbrennung fossiler Energieträger (Gas, Öl, Kohle) 84,9 % des gesamten Kohlendioxidausstoßes (Quelle: Umweltbundesamt). Sollte man nicht lieber hier den Hebel ansetzen?

Was kann ich selbst tun, um den CO²-Ausstoß durch Flugreisen zu verringern?

Weniger fliegen lautet die Devise. Ich mache das auch. Wohin ich früher zu Geschäftsterminen öfters in den Flieger gestiegen bin, reise ich heute so gut es geht mit der Bahn. Am besten fliegt ihr nicht zu einer Party nach New York und am nächsten Tag wieder nach Hause. Auch das Wochenende auf Mallorca muss nicht unbedingt sein. Gönnt euch drei oder vier Wochen Urlaub am Stück, anstatt dreimal eine Woche in die Ferien zu fliegen. Vermeidet Inlandsflüge und reist mit der Bahn zum Flughafen.

Kann ich meinen Flug kompensieren?

Ja, inzwischen lassen sich die CO²-Emissionen eures Fluges kompensieren. Es gibt etliche Anbieter, beispielsweise south pole, myclimate und atmosfair. Diese Organisationen finanzieren alternative Projekte, die CO² einsparen, welches ihr mit eurer Flugreise ausstoßt. Ich gebe euch ein Beispiel: Ein Farmer in Afrika benötigt einen Ofen zum Kochen. Normalerweise heizt er mit Holz, das CO² erzeugt. Ihr zahlt bei myclimate o.ä. einen bestimmten Betrag für die Kompensation und myclimate wiederum kauft einen Solarkocher für den afrikanischen Landwirt. Dieser Kocher spart das Äquivalent an CO² ein, welches ihr bei eurem Flug verbraucht. Momentan sind wir in intensiven Verhandlungen und können euch sicher bald einen Anbieter empfehlen, bei dem ihr eure Flüge mit Zertifikat kompensieren könnt.

Warum kann ich guten Gewissens eine Flugreise bei travel-to-nature buchen?

Für uns steht Artenschutz an oberster Stelle. Wenn ihr mit travel-to-nature verreist, pflanzt ihr automatisch einen Baum im Reserva Bosque La Tigra (RBLT) in Costa Rica. 25 Euro des Reisepreises spendet ihr für den Kauf eines Baumes samt Grundstück und drei Jahre Pflege. Der Baum bindet CO², gilt daher als CO²-Senke und schafft darüber hinaus ein Refugium für Wildtiere wie Aguti, Ozelot oder in Zukunft vielleicht den Jaguar. Ihr bekommt die Geo-Koordinaten eures Baumes und könnt jederzeit die Entwicklung des Projektes kontrollieren – online und offline. Das RBLT kümmert sich in der Region um Bildung, Ausbildung und um touristische Infrastruktur, schafft Arbeitsplätze und erzielt eine hohe Wertschöpfung im Reiseland.

Costa Rica San Jose Anflug

Amphibie auf einem Blatt in La Tigra in Costa Rica

Warum schütze ich bedrohte Tierarten durch meine Flugreisen?

Ich gebe euch ein Beispiel: Ich war 1998 in Nepal und habe den Chitwan-Nationalpark besucht. Es gab dort unglaublich viele Panzernashörner. Ein paar Jahre später herrschte Bürgerkrieg in Nepal und der Tourismus brach komplett zusammen. Die Ranger im Nationalpark hatten keine Arbeit mehr und zogen in den Krieg. Die Nashörner waren nicht mehr geschützt und wurden gewildert. Ihre Hörner bringen auf dem Schwarzmarkt viel Geld ein. Die Nashornpopulation reduzierte sich innerhalb kürzester Zeit dramatisch. Nach dem Ende des Bürgerkrieges kamen die ersten Touristen zurück und die Ranger fingen erneut an, den Nationalpark und die Tiere zu schützen. Heute erholt sich die Population langsam wieder.

Auf dieser Reise habe ich den direkten Zusammenhang von Tourismus und Naturschutz zum ersten Mal bemerkt. Ich bin mir sehr sicher, dass es mittlerweile viele solcher Beispiele gibt. Nur dort, wo Wildtiere oder Nationalparks einen realen Nutzen für die Bevölkerung haben, werden die Menschen sie auch schützen. Und der Tourismus ist eine sehr wichtige Einnahmequelle für zahlreiche Länder.

Gibt es sonst noch Gründe für einen sorgenfreien Flug?

Wenn ihr nachhaltig reist, braucht ihr keine Flugscham zu haben. Ihr unterstützt Menschen in armen Regionen dieser Welt, zum Beispiel in Nepal, durch Einnahmen aus dem Tourismus. Wenn ihr bei travel-to-nature eine Reise bucht, bekommt ihr einen tiefen Einblick in die reale Lebenswelt der Einheimischen und wisst, dass möglichst viel Geld im Reiseland bleibt. Außerdem achten wir auf eine gerechte Bezahlung der Angestellten, engagieren einheimische Reiseleiter und unterstützen Naturschutzprojekte. Ihr könnt euch vor Ort selbst ein Bild davon machen, um euch zu überzeugen. Wenn ihr mit uns in Costa Rica unterwegs seid, pflanzt ihr sogar eigenhändig einen Regenwaldbaum.

Wir – und bestimmt auch ihr – stehen für eine offene und bunte Welt, nicht für nationale Interessen und Alleingänge. Wir fördern die kulturelle Begegnung und natürliche Vielfalt. Deshalb habe ich bei meinen Flugreisen kein schlechtes Gewissen. Und deshalb würden wir uns freuen, wenn ihr weiterhin mit uns die Welt rettet – zumindest ein bisschen.


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