Kirche in San Pedro Sula Honduras

Honduras schmecken, riechen, fühlen – aus dem Reisetagebuch eines Pärchens mit Handicap

22.11.2017 | Erstellt von Regina Vollbrecht & Roland Zimmermann |
Kategorie
Honduras

Roland und seine Frau haben vieles gemeinsam, die beiden größten Gemeinsamkeiten aber sind, ihre Liebe zum Reisen und die Tatsache, dass die beiden blind sind. Im Spätsommer unternahmen sie eine Reise ins schöne Honduras. Wir sind sehr froh ihnen bei der Planung und Umsetzung geholfen zu haben und freuen uns umso mehr über den sehr ausführlichen Reisebericht. In den kommenden Wochen werden wir immer einen Teil des Berichts für euch veröffentlichen, um die Erlebnisse und Erfahrung der beiden mit euch zu teilen.

Part One – Vorbereitung, Abreise und Ankunft in San Pedro Sula

Das kanadische Honduras
Unsere diesjährige Herbstreise sollte uns endlich nach Kanada führen, so der Plan. Organisatorisch stellten sich uns jedoch so einige Hürden in den Weg: Zum einen waren wir mit unserer Urlaubszeit für Kanada saisonal bedingt spät dran, aber auch die Anbieter reagierten immer sehr zögerlich und die Begeisterung, so wie man sie oft in den USA erlebt, mit uns als blinde Reisende etwas zu unternehmen, hielt sich stark in Grenzen.
Im Juni erhielt Roland vom Geschäftsführer, Rainer Stoll der travel-to-nature GmbH einen Newsletter, welcher eine Mietwagen-Hondurasreise bewarb. travel-to-nature ist eine Agentur, die aus dem damaligen Anbieter "Waschbärreisen" hervor gegangen ist und deren Idee und Anliegen es ist, Entwicklungsprojekte mit Individualtourismus (Fokus Lateinamerika) zu kombinieren. Roland war schon vor einigen Jahren mit diesem Anbieter in Mexiko unterwegs gewesen (was sehr gut funktioniert hatte) und so haben wir bei Rainer angefragt, ob wir auch dieses Mal zusammenkommen könnten. Er leitete unsere Anfrage an Oliver Lang von Mesoamerica Travel S.A (der Partneragentur vor Ort) weiter, der nach wenigen Tagen seine Bereitschaft erklärte, für uns die Reise zu konzeptionieren. Oliver brachte seine Ortskenntnisse ein und wir konnten unsere Wünsche vortragen, sodass wir gemeinsam die folgende Reise geplant haben. Da wir mit unserem Guide allein unterwegs sein würden, brauchten wir uns nicht mit anderen Reisenden oder einer Reisegruppe abstimmen, wir konnten ganz individuell planen und reisen:

Es geht los
Am Samstagmittag (16.09.2017) starteten wir mit dem Taxi zum Flughafen Berlin-Tegel, um von dort aus mit KLM über Amsterdam nach Atlanta zu fliegen. Atlanta erreichten wir gegen 20:00 Uhr Ortszeit, hier mussten wir die Uhren sechs Stunden zurückstellen. Gut war, dass wir noch ein gültiges ESTA-Einreiseformular für die USA besaßen, sodass wir für unseren One-night-stop in Atlanta keine größeren Formalitäten zu erledigen hatten. Wir passierten zwei Kontrollen, bei denen wir unsere Fingerabdrücke hinterlassen mussten, fotografiert wurden sowie Fragen zur Einreise, zum Beispiel ob wir Haustiere, Drogen, Lebensmittel oder mehr als 10.000 $ mit uns führen würden, zu beantworten hatten. Nachdem wir reibungslos unser Gepäck erhalten hatten, begaben wir uns nach einigem warten auf den Weg ins zuvor gebuchte Howard Johnson Atlanta Airport Hotel. Das Hotel lag ca. 4 km vom Flughafen entfernt und ein kostenfreier Shuttle sollte Flughafen und Hotel verbinden. Letzteres realisierte sich dann in der Praxis nicht so reibungslos, wie es die Theorie versprach, denn der avisierte Shuttle verkehrte lediglich zwischen Hotel und dem Inlandsflughafen, sodass wir zunächst vom Internationalen zum Inlandsflughafen fahren und dort umsteigen mussten. Natürlich hatten wir hier den Anschluss verpasst und durften 30 Minuten auf den Nächsten warten, was dann irgendwann wegen Zeitverschiebung und dem ohnehin langen Reisetag etwas anstrengend wurde. Für die 4 km zum Hotel haben wir schließlich knapp zwei Stunden benötigt. Super war die Hilfsbereitschaft des Flughafenservices, der uns gut unterstützt hat.

Der erste Tag
Am nächsten Morgen (Sonntag, 17.09.2017) hieß es schon um 06:00 Uhr frühstücken. Wer wollte, konnte mit Eiern, Würstchen und frittiertem Hühnchen starten, wir entschieden uns für Süßes wie kleine Muffins und Donuts von Papptellern, dazu Kaffee aus Plastikbechern. Das "Geschirr" war für ein Hotel schon etwas gewöhnungsbedürftig, ebenso wie die auf US-Bedürfnisse ausgerichtete Auswahl am Frühstücksbuffet. Nach dem Frühstück fuhren wir diesmal per Taxi zum Airport, weil wir uns die ungewisse Umsteigerei zwischen den Shuttles ersparen wollten. Unser Flug startete 9:45 Uhr.

Nach einem gut drei-stündigen Flug mit Delta Airlines landeten wir gegen elf Uhr mittags Ortszeit bei 31 Grad in San Pedro Sula/Honduras, wo wir die Uhren erneut um zwei Stunden zurückstellen mussten, insgesamt hinkten wir damit acht Stunden der deutschen Zeit hinterher. San Pedro Sula liegt im Nordwesten des Landes und ist mit ca. 1,3 Millionen Einwohnern (so genau weiß man das nicht, da es in Honduras keine Meldepflicht gibt) die zweitgrößte Stadt in Honduras. Sehr amüsant war die Kommunikation mit unserer Begleiterin vom Flughafenservice und der Dame von der Passkontrolle. Beide konnten nur spanisch, wir dagegen nur Deutsch und Englisch. Wir brillierten mit ein paar Brocken Spanisch aus aktuellen Hits, die Damen lachten herzhaft und so vervollständigten sich unsere Einreiseformulare wie von Geisterhand, keine Ahnung, was sie da eingetragen haben, aber schließlich war alles erledigt. Nachdem wir auch unser Gepäck erhalten hatten, empfing uns Heinz, unser Fahrer und Reisebegleiter für die kommenden zwei Wochen, vor dem Flughafen! Heinz selbst ist Deutscher, er plante, als er 28 war, für zwei Jahre auf Reisen zu gehen und blieb dann in Mittelamerika hängen. Nun lebt er schon seit knapp 30 Jahren in der Region und ist unter anderem als Tourguide tätig.

Vom Flughafen brachte Heinz uns mit dem Pick-up in unser zentral gelegenes Hotel „Casa del Arbol“, eine kleine und sehr übersichtliche Unterkunft, die - man höre und staune - mit Braille Beschriftungen in Aufzug und an den Zimmertüren in Sachen Barrierefreiheit ganz on top war. Nachdem wir uns eingerichtet hatten, unternahmen wir unseren ersten Erkundungsgang, so z.B. in ein wunderbar kühles (inzwischen hatten wir es gut 35 Grad und eine enorme Luftfeuchtigkeit) Einkaufszentrum, wo wir einen americano Espresso tranken, eine Mischung aus gecrushtem Eis, Kaffee und Schokolade. Ein hervorragendes Getränk, was während des gesamten Urlaubes auf unseren täglichen Speiseplan kam. Auch kauften wir gleich die ersten Souvenirs, ein T-Shirt für jeden, worauf die Landkarte von Honduras fühlbar abgebildet ist. Auch Heinz kaufte sich eins und am darauffolgenden Tag konnten wir die Reiseroute der nächsten 14 Tage auf seinem Bauch erkunden. Da Heinz nicht mit uns im Hotel übernachtete, bestellten wir für uns an einem Grillimbiss ein Abendessen, was pünktlich ins Hotel geliefert wurde. Es gab Hühnchen und Nachos, die Portionen waren riesig, was landestypisch war, wie wir in der Folgezeit erlebten. Bevor wir uns am Montag (18.09.2017) auf den Weg unserer Honduras Rundreise begaben, wurde unser Aufenthalt noch fotografisch festgehalten – ein Bild mit uns und dem Hotelmanager. Wir waren die ersten blinden Gäste, welche die Brailleschrift im Lift und an den Zimmertüren nutzten, was den Manager natürlich begeisterte. Auf unserer gesamten Reise war es das einzige Hotel mit Braille Beschriftung.

Wenn ihr wissen möchtet welche Abenteuer und Erfahrungen die beiden im wilden Honduras erlebt haben, der braucht nur regelmäßig unseren Blog zu lesen. Part Two wird nächste Woche veröffentlicht.