Im Interview: Deutscher Botschafter Dr. Winkelmann in Costa Rica
27.11.2015 | Autor: Bianca Schäfer

Im Interview: Deutscher Botschafter Dr. Winkelmann in Costa Rica

Dr. Winkelmann ist seit über einem Jahr Botschafter in Costa Rica. Da wir Jahr für Jahr mehrere Gäste auf Costa Rica Reisen schicken, war es für uns an der Zeit, einmal nachzufragen, welche Pläne es derzeit in Costa Rica gibt und welchen Aufgaben der Botschafter hauptsächlich nachgeht. 

Herr Botschafter, Sie sind jetzt knapp über ein Jahr Repräsentant von Deutschland in Costa Rica. Wie haben Sie und Ihre Familie sich eingelebt?
Meine Familie und ich sind im August 2014 aus Bangkok (Thailand) nach San José gekommen. In Thailand hatten wir zuvor drei Jahre gelebt. Nach solch einem Wechsel geht die Eingewöhnung natürlich nicht über Nacht. Statt Tempel gibt es Kirchen, statt asiatischen Lächelns erfüllt uns nun zentralamerikanischer Charme, statt in einer 12 Millionen-Hauptstadt leben wir bei einem 4,5 Millionen-Volk! Mit jedem Monat fühlen wir uns nun im wunderschönen Costa Rica mehr zuhause und beginnen, Wurzeln zu schlagen.

Was sind Ihre bisherigen Haupt-Aufgaben als Botschafter?
Meine Hauptaufgaben bestehen in der Fortentwicklung der politischen und wirtschaftlichen Beziehungen. Diese sind traditionell gut und nehmen weiter an Fahrt auf. Wichtig ist auch die Ausgestaltung der Botschaft als schlagkräftige Verwaltungsbehörde, die sich der Sorgen und Nöte der mehr als 60.000 deutschen Touristen, die jährlich ins Land kommen, annimmt, wo immer dies möglich und benötigt ist. Schließlich nicht zu vergessen: die Repräsentation Deutschlands bei allen wichtigen Ereignissen im Land. In Costa Rica schaut man auf Deutschland und erwartet von uns, so gut wie überall präsent zu sein.

Welche Schwerpunkte haben Sie sich für die nächsten Jahre gesetzt?
Meine Schwerpunkte lauten: Unterstützung Costa Ricas in seiner Rolle als regionaler Stabilitätsanker und als Vorreiter in Sachen Klimaschutz. Hierzu gehört auch ein ausgebauter, hochrangiger Besucheraustausch. Weiterhin will ich aktiv für Deutschland, seinen Wirtschaftsstandort und seine anerkannten Wirtschaftsprodukte werben; hierzu gehört auch ein neuer Schwerpunkt „Duale Bildung“. Und, nicht zu vergessen: Das Vorhalten eines attraktiven Kulturprogramms trotz der oft recht sparsamen Mittel, die uns zu Verfügung stehen.

Nachhaltigkeit und Naturschutz sind ein großes Thema in Costa Rica. Was kann Deutschland von dem relativ kleinen Land Costa Rica in dieser Beziehung lernen?
Costa Rica erzeugt 98,9 % seines Stroms aus alternativen Energiequellen, meist Wasserkraft. Sein Waldbestand beläuft sich auf mehr als 50 % der Landesfläche. Das Land wird durchzogen von einem engen Netz an beeindruckenden Naturparks und Biokorridoren. Auch wenn sich nationale Muster nie 1:1 von einem Land auf andere übertragen lassen: Alle diese Elemente sind im Prinzip hochlöblich und nachahmenswert.

Costa Rica hat ja bekanntlich keine Armee. Wie schützt sich das Land vor Aggressionen anderer Länder? Kann Costa Rica hier Vorbild für andere Länder sein?
Seit 1948 hat Costa Rica seine Armee abgeschafft und die frei werdenden Mittel in Bildung, Gesundheit und einen gut funktionierenden Staatsapparat investiert. Auch in Zeiten regionaler Gewalt gelang es Costa Rica, ein Hort der Zuflucht und des Friedens zu sein. 1987 erhielt der seinerzeitige Präsident Oscar Arias den Friedensnobelpreis für seine erfolgreichen Bemühungen um den regionalen Friedensprozess. Die guten und engen Beziehungen Costa Ricas zu den USA garantieren die Sicherheit des Landes. Mit seiner auf Demokratie, Rechtstaatlichkeit und Multilateralismus ausgerichteten Außenpolitik ist Costa Rica Vorbild für viele Länder der Welt. Für Deutschland ist Costa Rica ein Partner, mit dem uns sehr viele gemeinsame Werte verbinden. Dies macht das Leben in und die Zusammenarbeit mit Costa Rica leicht und erfolgreich.

Vielen Dank für die offenen Worte Herr Dr. Winkelmann! 

  • Costa Rica La Fortuna Wasserfall
  • Costa Rica landwirtschaftlich genutzte Felder

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