Indien - wie alles begann
19.10.2018 | Autor: Rainer Stoll

Indien-Reisen

Die erste Projektreise und die lange Freundschaft danach

Es ist schon sehr lange her – ich kann mich gar nicht mehr an die Jahreszahl erinnern. Es muss etwa 1994 gewesen sein, als ich Mathew und Leela das erste Mal in Sreekandamangalam in Indien besucht habe. Ich war sofort beeindruckt von dem, was die beiden vor Ort bewegen und bin begeistert, dass unsere Freundschaft bereits über 25 Jahre Bestand hat. Lest selbst, was wir vor Ort alles anbieten. 

1994 war ich Assistent der Geschäftsführung des Waschbär-Versandes und hatte die Aufgabe, die Projektreisen für das Unternehmen aufzubauen – quasi Neckermann Reisen im Ökoformat. Mathew und Leela Money Moozhiyil, die Begründer des Projekts BASIS (Bio Agricultural and Social Improvement Schemes), waren damals Lieferanten für den Dritte-Welt-Laden „Sancho Pansa“, einer Tochterfirma von Waschbär. So lernte ich sie kennen und wir beschlossen gemeinsam, dass wir Reisende für einen Urlaub im BASIS-Projekt begeistern möchten. 

Der erste Besuch im Projektdorf – ein skurriler Auftakt

In Indien landete man damals noch in Trivandrum, dem heutigen Thiruvananthapuram. Vier Stunden dauerte die Fahrt ins Projektdorf. Dort schliefen wir in besseren – Verzeihung – „Hühnerkäfigen“. Die Unterkünfte waren sehr schlicht, aber äußerst praktisch gebaut. Auf einer Leiter ist man in den Käfig geklettert und hat dort genächtigt. Unsere ersten Reisegruppen nach Südindien (1995 oder 1996) durften noch dort schlafen. Es klingt tatsächlich skurril, wenn man aber die Gesamtreise betrachtet, war es passend für die damalige Zeit – sehr „basic“ eben. 

Mathew, Leela und ich arbeiteten ein sehr schönes Reiseprogramm aus, mit dem wir bereits 1997 die Goldene Palme der GEO Saison gewinnen konnten. Steffen Wagener, ein damaliger Kollege, hat sich liebevoll um die Reise gekümmert und wesentlich zu ihrem Erfolg beigetragen. Die Besucherzahlen kletterten schnell in die Höhe und so entschied sich der mutige Projektleiter zum Bau des BASIS-Besucherzentrums in Indien. Wir haben einen kleinen Kredit dazugegeben, aber die meiste Arbeit und das größte Risiko trug die Familie Moozhiyil. In Südindien ist es sehr schwer, Baumaterial zu bekommen. So nutzte Mathew fast nur Werkstoffe aus baufälligen Häusern. Die Bauweise musste luftig sein, denn an Klimaanlagen wollte man gar nicht denken. Wir sind sehr stolz auf diese Leistung, denn wie das BASIS-Projekt durch den Tourismus gewachsen ist, ist sehr schön zu sehen. 

Mehr als Partner – eine Freundschaft beginnt

Das Projekt entwickelte sich weiter, die ersten Gehversuche mit Ayurveda kamen hinzu. Aus Waschbär-Reisen wurde travel-to-nature, aus unseren Kindern wurden Erwachsene. Mathew und Leela haben neben der Sternreise und den Ayurveda-Kuren auch die Familienreise nach Südindien erfunden. Ich selbst war öfters im indischen Dorf zu Besuch. Auf der Gegenseite waren Christoph und Theresa, die Kinder von Leela und Moozhiyil, als Praktikanten bei uns und sogar die ganze Familie Moozhiyil war mehrmals zu Gast bei uns in Ballrechten. In den ersten Jahren von travel-to-nature konnten wir so zahlreiche Gäste nach Indien schicken und ihnen eine bunte und doch auch spirituelle Kultur näherbringen. 

Neue Wege – eine harte Bewährungsprobe

Trotz dessen, dass sich travel-to-nature ab 2011 auf Mittelamerika-Reisen spezialisiert, bleibt die Freundschaft erhalten und ich habe versucht, die Projektreisen bei befreundeten Partnerveranstaltern unterzubringen. Das hat insgesamt sehr gut geklappt und so konnte das BASIS-Projekt weiterhin wie gewohnt seiner Arbeit mit den Touristen aus Deutschland nachkommen. 

Die Reisen nach Indien wurden ab 2013 von unsere Tochterfirma for family Reisen übernommen und durch die intensive Arbeit gewann auch hier eine Familienreise nach Südindien die Goldene Palme von GEO Saison. Jedoch war das genau zu einer Zeit, in der Indien als Reiseland in eine ziemliche Krise stürzte und immer weniger Reisende gingen das Wagnis ein. Das bedeutete natürlich auch schwere Zeiten für das BASIS-Projekt, welches viel Geld und Zeit in das Tourismusprojekt investiert hatte. Sicher hat darunter auch unsere Freundschaft etwas gelitten, was mir sehr leidtut. Dennoch haben wir uns als Unternehmen die Entscheidung nicht leichtgemacht. 

Back for good

Die Familienreise und die Ayurveda-Kuren gibt es noch heute. Als Veranstalter sind wir sehr stolz, dass diese Reisekonzepte noch immer Anklang finden und gebucht werden. Als travel-to-nature bewegen wir uns auch wieder in die weite Welt und uns war sofort klar, dass wir somit auch wieder Indien-Reisen, und somit ein Aufenthalt im BASIS-Projekt in Südindien ins Programm aufnehmen werden. Die Sternreise ist prädestiniert für unseren Slogan: „Erlebe die Schönheiten der Natur und schütze sie“. Konsequenter als die Familie Moozhiyil kann man nachhaltigen Tourismus kaum betreiben.


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