Kratersee in Smaragd und Milchwagen am Quilotoa
22.09.2017 | Autor: Mareike Ritz

Trekking am Quilotoa

Ein Kratersee in Smaragd und das Abenteuer mit dem Milchwagen

Der Quilotoa ist eins der Must-sees in Ecuador. Klar, dass ich mir das nicht entgehen lassen wollte. Der höchste Punkt gipfelt auf knapp 3.914m, doch das Sehenswerte am Quilotoa ist nicht sein Gipfel, sondern der See, der sich im Krater des Vulkans gebildet hat. Wenn die Sonne rauskommt, erstrahlt das Wasser in einem fantastischen Smaragdgrün. Erfahrt in diesem Beitrag, was wir rund um den Quilotoa erlebt haben. 

Zusammen mit einer Freundin habe ich mich auf den Weg gemacht, dieses Wunder zu entdecken. Von Latacunga sind wir morgens mit einem der ersten Busse in das Dorf Quilotoa gefahren. Hier ist alles auf den Empfang, die Unterbringung und die Verpflegung der doch recht vielen Besucher ausgerichtet. Auf dem Weg von der „Bushaltestelle“ (Ende der Zubringerstraße) am Eingang des Nationalparks zu der kleinen Touristeninfo reihen sich Hostels, Hotels, Restaurants und Souvenirstände aneinander. Direkt hinter der Touristeninfo liegt dann der Aussichtspunkt: Eingerahmt von schroffen Hängen breitet sich der See in seiner ganzen Pracht aus. Einfach traumhaft!

Wer den See aus jedem Blickwinkel betrachten möchte, kann den Krater einmal umwandern (dafür habe ich bei anderer Gelegenheit 6 Stunden gebraucht). Dabei kommt man auch am Gipfel vorbei. Wer nicht so viel Zeit hat, kann zum Seeufer hinunter gehen. Der Abstieg ist in einer halben Stunde geschafft, allerdings dauert der Aufstieg auf dem Sandweg mindestens doppelt so lange, wenn man nicht 10$ in ein Pferd oder Muli investiert, das einen hochträgt.

Das Andendorf Chugchilán

Aber wir hatten ja was anderes vor. Wir wollten in das Andendorf Chugchilán nördlich des Quilotoa. Nachdem wir die Aussicht einen Moment (oder auch zwei) genossen haben, haben wir uns auf den Weg gemacht und den Kraterwanderweg bzw. -trampelpfad im Uhrzeigersinn begonnen (das ist die kürzere Version). Man umrundet etwa zwei Drittel des Kraters, immer den orangefarbenen Wegzeichen folgend, und wenn das nächste Mal nicht zu sehen ist, tendenziell oben auf dem Kamm entlang. Kleiner Tipp: Wenn der Weg zu einem angebundenen Pferd führt, ist es nicht der richtige, dann müsst ihr wieder hoch Richtung Kamm. Zwischendurch hat man immer wieder fantastische Blicke auf den See und wir haben auch die eine oder andereFotopause eingelegt. Schlussendlich kommt man zu dem Abzweig, der vom See weg runter ins Tal und weiter nach Chugchilán führt. Auf dem Weg abwärts kamen uns immer wieder andere Wanderlustige entgegen, die den in vielen Reiseführern empfohlenen Quilotoa-Loop gewandert sind.

Um ehrlich zu sein, ich war froh, dass ich nicht zum See hochlaufen musste. Der Weg führt vorbei an Feldern und teilweise über Weiden der Dorfbewohner, meist indígenas, wir sind auch an einer Schafherde vorbeigekommen. Die Vogelscheuchen waren übrigens gut ausgestattet, mit Basecap und Rucksack. Unten angekommen sind wir spontan zu einem Wasserfall gelaufen, der auf einem Hinweisschild ausgeschildert war und sowieso auf unserem Weg lag. Wir haben nur irgendwie einen Abzweig für Fußgänger verpasst und sind die ganze Zeit auf der Schotterstraße gelaufen. Dafür hatten wir eine tolle Aussicht auf die umliegenden Felder, auf denen teilweise gerade Familien gearbeitet haben. Von dem Wasserfall ging es mehr oder weniger steil bergab in den Canyon.

Unterwegs im Milchwagen

Chugchilán liegt oben auf der anderen Seite. Zum Glück hatten wir Schokokekse dabei, die als Ausrede für ein Päuschen herhalten mussten. Und die Aussicht über den Canyon hat für den Aufstieg auch allemal entlohnt. Kurz vor der letzten Kurve zum Dorf stand eine Bank, die einen phänomenalen Blick auf den Quilotoa und den Canyon bietet. Wir waren sehr beeindruckt, was wir in sechs Stunden alles gelaufen sind – das sah mehr aus als gedacht. In unserem Hostel haben wir uns zunächst eine Dusche und dann eine heiße Schokolade gegönnt. Danach haben wir uns mit einer Kuscheldecke in die Hängematte gelegt und auf das Abendessen gewartet. Von den Decken bekommt man automatisch mindestens zwei, damit einem auch bestimmt nicht kalt wird nachts auf über 3.000m. Das Abendessen war übrigens superlecker und nebenbei kommt man mit den anderen Gästen (v.a. Backpacker)  ins Gespräch.

Für den nächsten Vormittag hatten wir uns etwas ganz Besonderes vorgenommen: Wir sind mit dem Kastenwagen des Milchmanns von Chugchilán nach Sigchos gefahren (2$), 23km holprige Piste. Gegen 9.30 Uhr ging es los. Auf dem Weg hat der Milchwagen immer wieder angehalten, um die Milch von den Bauernhöfen einzusammeln. Mal brachten die Bauern und ihre Kinder selbst die Milch an die Straße, mal stand der Eimer geschützt in einer Felsnische. Alles wurde durch ein Filtertuch in Stahlbehältern hinten auf dem Wagen geschüttet und die Menge notiert. Wir waren übrigens nicht die einzigen, die den Milchwagen als Busersatz genutzt haben. Zwischendurch sind immer wieder Menschen aus- oder eingestiegen. Je nachdem wie die Straße gerade verlief, hatten wir eine gute Sicht auf die Zwillingsgipfel der Ilinizas. Nur für Fotos war die Straße leider doch zu holprig. In Sigchos haben wir uns ein Ticket für den nächsten Bus nach Quito geholt und haben die verbleibende Stunde in der Sonne gelegen. Das Leben kann so schön sein!


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