Märkte, Mayas und Museen – die kulturelle Vielfalt Mittelamerikas
20.10.2014 | Autor: Mariana Dentsch

Märkte, Mayas und Museen – die kulturelle Vielfalt Mittelamerikas

Wer an Mittelamerika denkt, dem werden womöglich eher der Reichtum der Natur und die Vielfalt der Tierwelt in den Sinn kommen und weniger, die kulturellen Highlights. Dabei gibt es in den sieben mittelamerikanischen Ländern von Guatemala bis Panama so einige Sehenswürdigkeiten, die den einen oder anderen sogar überraschen würden.

Angefangen natürlich mit den riesigen, uralten und weltberühmten Mayastätten, die sich vor allem in den nördlicher gelegenen Ländern wiederfinden. Zwei der beeindruckendsten Mayastätten sind Tikal im Tieflanddschungel im Norden Guatemalas und Copán in Honduras. Aber auch in Belize finden sich kleinere Mayastätten wie Xunantunich oder die Stätte von Tazumal in El Salvador. Es gibt eine Vielzahl an kleineren Stätten, die teilweise auch aufgrund ihrer Lage nur schwer erreichbar sind oder von den Touristen ausgelassen werden, weil sie vermeintlich weniger spektakulär sind. Doch gerade das sind die aufregenden Erlebnisse, die im Kopf hängen bleiben, nämlich fern von den viel bereisten großen Stätten auf einem Boot entlang des von dichtem Urwald bewachsenen Ufers zu entlegenen Ausgrabungsorten wie El Ceibal und Aguateca an der Laguna Petexbatún in Guatemala. In El Salvador endete der Vormarsch der Maya, doch dafür kam hier etwas zutage, was nicht nur das Leben der Mayakönige, sondern auch des gemeinen Volkes zeigt – im Joya de Cerén wurden Wohnhäuser der damaligen Bevölkerung freigelegt und sogar zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt.

Die Maya-Kultur ist sogar heute noch spürbar und wird noch von einigen Mayavölkern lebendig gehalten und gelebt. Bei einer Bootsfahrt auf dem Atitlánsee beispielsweise werden verschiedene Dörfer besucht und die Menschen, die hier noch je nach Zugehörigkeit die entsprechenden farbigen gewebten Stoffe tragen, empfangen die Touristen freundlich. Auch anderswo kann man als Reisender direkt in Kontakt mit den indigenen Volksgruppen kommen, von denen es nach wie vor zahlreiche in Mittelamerika gibt: Sei es beim Schlendern durch Livingston oder an der Karibikküste Honduras‘, wo noch viele Nachfahren schwarzer Sklaven leben, die Garífuna. Oder bei den Miskito-Indios, die sowohl in den kaum zugänglichen Wäldern der Miskito-Küste in Honduras als auch in Nicaragua leben. In einigen Regionen haben auch die Indigenas erkannt, dass der Tourismus eine Einnahmequelle sein kann, und haben sich das zu Nutzen gemacht, indem sie Reisende bei sich aufnehmen und ihnen einen Eindruck in den Alltag geben. Das kann auf einem entlegenen Gelände am Río Teribe in Panama geschehen, das man nur per Einbaum erreicht, oder bei Tagesausflügen zu den Embera in Panama. Die BriBris in Costa Rica nehmen Reisende sogar für mehrere Tage in die Dorfgemeinschaft auf. Und wer es doch etwas „luxuriöser“ als in den Hütten der Einheimischen mag, der findet beispielsweise auf den traumhaft schönen San Blas Inseln vor Panama Unterkünfte unterschiedlicher Ausstattung, die von den Guna Indios betrieben werden, jedoch den Gästen etwas mehr Privatsphäre und Urlaubsfeeling gewähren.

Weitere Begegnungen mit der Kultur in den einzelnen Ländern hat man alleine schon beim Schlendern durch koloniale Viertel und alte Gassen, über das Kopfsteinpflaster vorbei an bunt gestrichenen Häuschen, Kirchen und Kathedralen in französischer, spanischer und englischer Architektur. Küstenstädte wie Trujillo in Honduras, Universitätsstädte wie León und Granada in Nicaragua, malerisch gelegene Bergdörfer wie Suchitoto in El Salvador, Stadtviertel wie Casco Viejo in Panama City und viele zahlreiche kleinere Orte mehr laden zum Schwelgen in vergangenen Zeiten ein.
Ein Stück lebendige Kultur kann man aber auch erfahren, wenn man sich einmal die Produktion von traditionellen Waren wie Zigarren oder Kaffee erklären lässt. An unzähligen Orten in allen Ländern, auf kleinen Fincas im Familienbetrieb oder großen Jahrhunderten alten Haciendas werden die unterschiedlichsten Einblicke gewährt. Kaffee wird im Grunde in allen Ländern außer in Belize angebaut, wohingegen die besten Zigarren bei Gracias in Honduras oder in Estelí in Nicaragua gerollt werden. Selbst Hand anlegen kann man außerdem bei Töpferworkshops in den Pueblos Blancos, beim Holzschnitzen auf Solentiname in Nicaragua, beim Herstellen der traditionellen Holzmasken in Costa Rica oder beim Nähen der Pollera Tracht in Panama.

Und wem das alles noch nicht genügt, der findet neben den echten Kulturerlebnissen zum Anfassen selbstverständlich auch Museen über die geologische Entstehung von Vulkanen, über den Panamakanal, über die Geschichte der Länder, Kunstgalerien mit Ausstellungen von Künstlern, Kunstmuseen mit zeitgenössischer Kunst, Kaffeemuseen, Bauernmuseen, Revolutionsmuseen, naturkundliche Museen und vieles mehr.

Also, alle Kulturfans – auf nach Mittelamerika!!!

  • Panama San Blas Kuna Indianer vor dem Dorf
  • Belize Mayastätte Caracol
  • Panama San Blas Kuna Frauen
  • Panama Embera Gruppe
  • Panama Darien Embera Indianer Mutter mit Kind
  • Mayastaette in Copan, Honduras
  • El Salvador Tazumal Ausgrabungsstätte 4
  • El Salvador Mayastätte Joya de Ceren Ausgrabung 4
  • Ausblick auf die Mayastaette Tikal, Guatemala
  • Mayastaette Tikal, Guatemala

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