Reisen – die schönste Art zu lernen
26.03.2018 | Autor: Natalie Rinas

Reisen – die schönste Art zu lernen

Auf Entdeckungstour durch die weite Welt und das allein mit zwei kleinen Kindern? Ja, das geht und ist in jedem Land ein Abenteuer für sich, aber auch eine Herausforderung. Wie wir gemeinsam meine Wahlheimat Costa Rica entdecken und was wir alles erleben erfahrt ihr in meinem Beitrag. 

Ich bin Natalie und Mama von zwei Mädels zwischen 5 und 10 Jahren. Unser gemeinsames Lieblingshobby ist es die Welt zu erkunden. Dabei spielt es keine Rolle ob direkt vor der Haustür im meistens mit gutem Wetter gesegneten Schwarzwald, irgendwo unweit von Zuhause (was für uns im groben Rahmen eigentlich ganz Europa heißt) oder etwas weiter weg, zum Beispiel in unserer Wahlheimat Costa Rica. Für mich und auch für meine Kinder bedeutet reisen zu uns zu kommen, Zeit zu haben füreinander, wir streichen das Wörtchen „müssen“ für diese Zeit komplett aus unserem Wortschatz und leben in den Tag hinein. Tun das, worauf wir Lust haben, umgeben uns mit Menschen, wenn uns danach ist und sind wir selbst. 

Wiedersehen mit Freunden

In den vergangenen Sommerferien machen wir uns nach 5-jähriger Abstinenz mal wieder auf den Weg in das Land der Ticos und Ticas. Mit Edelweiss geht es bequem und in nur 11 Stunden von Zürich nach San José. Es ist schon nach 22 Uhr, als wir aus dem Flughafengebäude treten und uns unsere Freundin Mariana gemeinsam mit ihrer Mama bereits freudestrahlend erwartet. 
Mariana wohnt mit ihrer Familie in Heredia und wir haben uns im Sommer 2016 in Deutschland kennengelernt. Damals waren sie und ihr bester Freund Darrel unsere Couchsurfing Gäste. Es war quasi "Liebe" auf den ersten Blick, denn wir verstanden uns auf Anhieb hervorragend. Dadurch war es für die beiden auch absolut logisch, dass wir bei unserem nächsten Costa Rica Besuch bei ihnen vorbeischauen müssen. Nach dem Motto "Mi casa es su casa" werden wir unglaublich herzlich von Marianas Eltern, ihrem Bruder und Hundedame Luna empfangen. Es gibt sogar noch Essen und nachdem die Kinder im Bett liegen ein kühles Bier. 

Mariana zeigt uns Heredia, wir fahren mit dem Bus nach Sarchí – der Stadt, in der man noch heute die tollen Ochsenkarren bemalt – und wir besuchen den botanischen Garten der Stadt. Am Abend stößt Darrel zu uns, bei dem wir unsere zweite Nacht verbringen sollen und gemeinsam kochten wir Käsespätzle. Darrel lebt in San José, und da wir am nächsten Morgen mit dem Bus weiter an die Karibikküste wollen, bietet er uns an, bei ihm zu nächtigen und uns am Morgen zum Bus zu fahren. So lernen wir auch seine Familie noch kennen und erreichen am dritten Tag unserer Reise pünktlich den Bus nach Cahuita.

Karibik, wir kommen!

Ungefähr 5 Stunden später stehen wir mit Sack und Pack am Busbahnhof in dem kleinen Hippie Dorf, das bekannt ist wegen des gleichnamigen Nationalparks. Brigitte unsere Airbnb Gastgeberin steht schon mit ihrem Jeep und dem Hund Scottie, den meine Mädels direkt ins Herz schließen, parat und bringt uns zu ihrer Ranch. Seit mehr als 35 Jahren lebt die Schweizerin jetzt in Cahuita und erzählt uns, wie ursprünglich und einfach alles damals noch war. Es gab keine Elektrizität und gekocht wurde über dem offenen Feuer. Cahuita war völlig unbekannt und viel kleiner als heute. 

Brigitte und ihre Schwester Uschi bewirtschaften die Ranch gemeinsam. Es gibt zwei süße Bungalows und noch ein paar Zimmer im Hauptgebäude. Man kann Ausflüge mit Pferden unternehmen, Kajak-Touren und sogar eine Schokoladen-Tour zu einer indigenen Familie im Talamanca Gebirge. Außerdem verleihen die Schwestern Fahrräder und bieten Surfunterricht an.

Brigittes Ranch liegt etwas außerhalb vom Zentrum Cahuitas an der Playa Negra, es empfiehlt sich daher, ein Mietauto oder zumindest Fahrräder zu haben. Wir haben unsere Füße und kommen auch gut klar. Auf dem Gelände der Ranch gibt es neben Scottie, den wir schon kennenlernen durften, noch zwei weitere Hunde, außerdem Katzen, Hühner, Pferde, Leguane und Faultiere. Ein wahres Paradies also für meine Mädels, dank der unmittelbaren Strandnähe (ca. 2 Gehminuten) bekommen wir sie dennoch von all den Tieren weg. Und planschen im Karibischen Meer ist ja nicht unbedingt das Schlechteste. 

Während unseres Aufenthalts in Cahuita besuchen wir selbstverständlich den wunderschönen Nationalpark. Der Eintritt besteht aus einer freiwilligen Spende, man bekommt eine kurze Einweisung und trägt sich in eine Art Gästebuch ein. 2012 waren wir das letzte Mal hier und leider (eventuell lag das an unserer Reisezeit während der europäischen Sommerferien) ist der Park dieses Mal doch etwas voll. Nach einigen Kilometern Entdeckungstour entlang der Wanderpfade finden wir dennoch ein ruhiges Fleckchen am hellen Sandstrand, an dem die Kinder in Ruhe spielen und baden können.
 

Vulkane, Wasserfälle & heiße Quellen

Die Zeit an der Karibikküste vergeht sprichwörtlich wie im Flug und ehe wir uns versehen, sitzen wir auch schon im Interbus Richtung La Fortuna. Ungefähr 6 Stunden dauert die Fahrt. Zwischendurch gibt es eine Mittagspause, in der wir uns ein landestypisches Casado gönnen. Die Kids verkraften die doch etwas längere Autofahrt problemlos. Sie vertreiben sich die Zeit mit "Ich sehe was, was du nicht siehst", Hörspielen und zwischenzeitlichen Siestas. 

In La Fortuna angekommen werden wir im Casa Luna Hotel & Spa mit einer richtig leckeren Fruchtplatte überrascht. Chefkoch Delvin hat diese für uns gezaubert. Nachdem die in Nullkomma nichts verschlungen ist, wollen meine Töchter nur eins: in den Pool. Also rein in die Schwimmsachen und ab an den Pool. Es nieselt zwar ein wenig, aber das kann die Wasserratten selbstverständlich nicht aufhalten. Absolutes Highlight sind die warmen Jacuzzis, die wunderschön angelegt inmitten von ganz viel Grün versteckt liegen. 

Vom Casa Luna aus, unternehmen wir einen Ausflug zum wenige Kilometer entfernten Wasserfall und fahren mit dem Taxi in das Stadtzentrum. Hier gibt es wirklich unzählige Souvenirgeschäfte und die Kinder wollen kein einziges auslassen. Delvin zaubert uns am zweiten Abend ein leckeres Candle Light Dinner und am nächsten Tag geht es dann auch schon weiter. 

Back to nature

Wer schon mal auf einer Costa Rica Gruppenreise mit travel-to-nature war, der kennt Otto und Marie. Die beiden leben unweit von La Tigra in einem wunderschönen Haus, das Otto eigenhändig gebaut hat. Mit Blick auf zwei Vulkane und umgeben von ihren Pfefferpflanzen und dem tropischen Garten, lässt es sich gut aushalten. Ich habe den beiden im Frühjahr 2017 Freiburg gezeigt und sie sind mir sofort ans Herz gewachsen. 

Da meine 10-jährige Tochter das typisch costa-ricanische Gericht "Arroz con pollo" (Reis mit Hühnchen) so sehr liebt, hat Marie angeboten, es gemeinsam mit mir traditionell zuzubereiten. Während die anderen also das riesige Grundstück erkunden, schnippeln Marie und ich in der offenen Küche Möhren, Sellerie, Paprika und Zwiebeln, zupfen das Hühnchen in mundgerechte Stücke und kochten den Reis. Gemeinsam mit den Enkelkindern von Otto und Marie schlemmen wir unser "Arroz con pollo", genießen danach noch die herrliche Aussicht von Ottos Veranda aus und fahren dann weiter in die La Tigra Rainforest Lodge.

Auszug aus meinem Reiselogbuch

„Aktuell befinden wir uns mitten im tropischen Regenwald Costa Ricas, ich sitze auf dem Balkon unseres Holzbungalows der La Tigra Rainforest Lodge. Mein Chef hat mithilfe seiner costa-ricanischen Partner und Freunde all das hier „erschaffen“. Ich schließe die Augen und lausche dem Regen, der durch die Baumkronen der mittlerweile imposanten Urwaldbäume und Sträucher prasselt. Die Mädels spielen in den Hochbetten. 

Vor wenigen Minuten, gerade rechtzeitig vor dem Regen, sind wir von einer Wanderung entlang der angelegten Trekkingpfade zurückgekehrt. Wir haben untertassengroße Schmetterlinge in den schönsten Farben gesehen, ganz viele kleinere und größere Echsen, kunterbunte Käfer, fleißige Blattschneiderameisen und drei verschiedene Froscharten. Das Highlight war mit Abstand die Abkühlung in den natürlichen Posadas mitten im Regenwald. Posadas sind kleine Wasserfälle, die in Becken münden, in denen man sich erfrischen kann. Das Wasser war kalt, aber bei der hohen Luftfeuchtigkeit und Wärme, war das eine angenehme Erfrischung. Wir waren ganz allein und fühlten uns wirklich wie Indiana Jones auf Entdeckungstour. 

Dieses abgelegene Fleckchen Erde ist die vorletzte Station auf unsere Reise durch den Garten Eden Mittelamerikas. Morgen geht es für uns weiter an die Pazifikküste nach Guanacaste. Dort haben wir Familie und Freunde und es wird ganz sicher viel turbulenter zugehen als hier. Der Regen hat mittlerweile aufgehört und das Zirpen der Zikaden gewinnt wieder die Oberhand. Ein sicheres Zeichen, dass die Dämmerung naht und der Tag sich dem Ende zu neigt. 

Zwischen 18 und 18:30 Uhr wird es dunkel und das bedeutet wirklich stockdunkel, denn wir befinden uns hier fernab der Zivilisation. Wenn es so weit ist, werden wir uns – bewaffnet mit unseren Taschenlampen – in Richtung Restaurant hocharbeiten. Vorbei an kleinen Teichen voller Kaulquappen und begleitet von den unterschiedlichen Geräuschen der nachtaktiven Insekten und Frösche, auch mit dabei der bei Fotografen beliebte Rotaugenlaubfrosch – das Symboltier Costa Ricas. Tag 9 unserer Reise verbrachten wir in und mit der Natur, als Beobachter und Teilnehmer. Gelernt haben wir aufs Neue wie schön, friedlich und vielfältig unser Planet ist und das wir für seinen Erhalt zuständig sind. Als kleine Teile eines großen Ganzen."

Mein Fazit nach 3 Wochen Costa Rica

Wir verbringen noch 3 wundervolle Wochen mit der Familie. Unternehmen Ausflüge ins Inland, besuchen Verwandte und Freunde und haben eine unvergessliche Zeit. Im Namen meiner Kinder kann ich jedem eine Reise in dieses vielfältige und gastfreundliche Land nur empfehlen. Zugegeben, die Zeit nach der Rundreise bei unserer Familie ist recht turbulent und es geht auch mal drunter und drüber, aber umso mehr Spaß haben die Kinder, kommen in engen Kontakt mit dem costa-ricanischen Leben und sehen was hier ganz anders läuft als bei uns zu Hause oder eben was sehr ähnlich ist. Wer flexibel ist, sollte allerdings die Zeiten außerhalb der Ferien nutzen. Wie in jedem Reiseland ist auch Costa Rica zu Stoßzeiten recht voll und man ist immer mit anderen Reisenden unterwegs ob man nun will oder nicht.


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