Sámara clean – Ein Dorf packt an!
11.03.2016 | Autor: Natalie Rinas

Sámara clean – Ein Dorf packt an!

Teamarbeit für ein sauberes Zuhause

Am Montag fand im kleinen Ort Playa Sámara, an Costa-Ricas Pazifikküste, eine besondere Aktion statt. Unter dem Aufruf „Sámara clean“ fanden sich viele Hundert freiwillige Anwohner und Mitarbeiter städtischer Behörden, öffentlicher Institutionen wie dem Gesundheitsamt, der Universität von Nicoya und der Gemeindeverwaltung ein, um ihr Städtchen von Müll, Schrott und vor allem potenziellen Brutplätzen für Mücken zu befreien. Die Aktion stieß in der Bevölkerung auf großen Anklang und gemeinsam startete man früh am Morgen mit der systematischen Aufräumarbeit. Die Anwohner wurden bereits in den Tagen zuvor gebeten, ihren Müll zu trennen und eventuelle Sperrmüllgegenstände vor die Häuser zu stellen. Es ging ganz besonders darum, kurz vor dem offiziellen Start der Regenzeit, mögliche Brutplätze für Mücken, die Überträger gefährlicher Krankheiten wie Dengue, Zika oder Chikungunya sein können, zu vernichten. Diese legen ihre Eier gerne in, durch die starken Regenfälle, abgestandene und schmutzige Wasserstellen. Achtlos weggeworfene Konservendosen etwa oder Autoreifen liefern während der Regenzeit perfekte Brutplätze, denn hier kann sich Regenwasser sammeln und niemand nimmt davon Kenntnis. Die Reinigungsaktion der Gemeinden im Kanton Nicoya sind bereits im Januar angelaufen und sollen auch in den kommenden Wochen weitergehen. In Sámara nahm man gut gelaunt, wie es für die Ticos üblich ist, die Müllsäcke in die Hand und sammelte Plastik, Pappe, Blech und alles was nicht in die Natur gehört ein. An zentralgelegen Plätzen, wie zum Beispiel dem Fußballfeld, wurde der Schrott gesammelt und mithilfe eines Baggers in LKWs verladen, um dann auf die Mülldeponie der Gemeinde Nicoya abtransportiert zu werden. Hier kann der Schrott fachmännisch recycelt oder eben verschrottet werden.

Laut Marco Jimenéz Muños, dem amtierenden Bürgermeister der Stadt Nicoya, werden in der Gemeinde täglich rund 35 Tonnen Müll eingesammelt, wovon aber nur 40% recycelt werden und etwa die Hälfte der 58.000 Haushalte hat gar keinen Anschluss an die Abfallentsorgung. Das liegt zum einen an der Größe von 1.333 Quadratkilometern des Kantons und den insgesamt über 900 Kilometern langen Wegen – oft nur Schotterpisten – die zu den einzelnen Dörfern führen. So haben die Anwohner des kleinen Örtchens San Fernando, nur etwa 2 Kilometer von Sámara entfernt, die Müllabfuhr noch nie vorbeikommen sehen und sind gezwungen, ihren Müll zu verbrennen. Ein weiterer Aspekt sind die geringen zur Verfügung stehenden Kapazitäten. Es gibt nur wenige Müllautos und dadurch ist es eigentlich unmöglich, alle Haushalte an die Abfallentsorgung anzuschließen. Der Gesundheitsminister Fernando Llorca Castro fordert dringend mehr Unterstützung vonseiten der lokalen Regierung, was die Entsorgung recycelbarer Abfälle und den Elektromüll angeht.

Aus eigener Erfahrung kann ich das bestätigen, ich habe selbst ein Jahr lang in einem Ortsteil von Sámara gelebt, und regulär sollte die Müllabfuhr immer mittwochs kommen, oftmals kam sie aber auch erst zwei Tage später oder gar nicht. Bei immer sommerlichen Temperaturen und starken Regenfällen, zumindest im costa-ricanischen Winter, kann das schnell problematisch werden. Wir haben unseren Biomüll kompostiert und Plastikflaschen, Konserven und den Restmüll in geschlossenen Tonnen aufbewahrt, bis die Müllabfuhr dann tatsächlich kam. Aber das können längst nicht alle Haushalte. Es gibt nicht wie bei uns Mülltonnen, die einem zur Verfügung stehen und eine Mülltrennung ermöglichen. Das ist ein wichtiger Punkt, den man zumindest in den ländlichen Regionen Costa Ricas angehen sollte. Es ist wichtig die Menschen aufzuklären, denn Plastik zu verbrennen ist mehr als ungesund. All das soll nun aber endlich im großen Stil in Angriff genommen werden. Die Gemeindeverwaltung Nicoya hat finanzielle Mittel für Werbekampagnen und für die Aufklärung beziehungsweise Sensibilisierung der Bevölkerung durch Studenten der Universität von Costa Rica und Mitarbeiter des Gesundheitsamtes erhalten und möchte so verhindern, dass Müll achtlos weggeworfen wird und sich Wasser und somit Brutplätze für Mücken bilden können. Es ist ein Appell an das Allgemeinwohl und die gegenseitige Verantwortung sich und seine Mitbürger vor tückischen Viren wie Zika und Dengue zu schützen. Miryam Gonzales aus Sámara und ihr Partner Cristian Goussen Rodriguez riefen mit den Worten: „Let´s show Sámara our love and respect“ über soziale Netzwerke wie Facebook Freunde und Anwohner zum Anpacken auf. Das Ergebnis konnte sich mehr als sehen lassen, denn am Ende landeten über 19 Tonnen Müll in den zum Abtransport bereitgestellten LKWs und Sámara bleibt auch in Zukunft hoffentlich Zika-Virus frei.


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