Ecuador Vulkan Cotopaxi bei Sonnenuntergang

siga nomas – Eindrücke aus Ecuador

08.08.2017 | Erstellt von Mareike Ritz |
Kategorie
Ecuador

„siga nomas“ ist einer der ecuadorianischen Ausdrücke schlechthin. Er passt immer und zu jeder Gelegenheit, wenn doch noch Platz im vollgepackten Bus ist, wenn man sich – an was auch immer – bedienen darf, wenn irgendetwas einfach kein Problem ist. Und irgendwie klappt auch immer alles, wenn man eine Portion Gelassenheit mitbringt. Wenn etwa kein Bus anhält, weil am Feiertag alle Plätze voll sind, fährt man spontan auf einem Pick-up mit. Denn meistens haben andere das gleiche Problem und in Ecuador hilft man sich gegenseitig.

Das durfte ich in dem Jahr, das ich in diesem wunderbaren Land gelebt habe, hautnah erfahren. Kurz zu mir: Ich heiße Mareike, bin 24 Jahre alt und habe nach meinem Bachelor in Ethnologie einen Freiwilligendienst in Quito geleistet, genauer in einer Musikschule für Personen mit geistiger Behinderung (SINAMUNE) und momentan absolviere ich ein Praktikum bei travel-to-nature. Die Wochenenden in Ecuador habe ich hauptsächlich damit verbracht, in die unterschiedlichsten Ecken des Landes zu fahren, um so viel wie möglich von Land und Leute zu erfahren. In einem Jahr ist da natürlich so einiges zusammengekommen. Deswegen möchte ich hier von einem Erlebnis erzählen, das mir besonders in Erinnerung geblieben ist.

Ecuadors mächtige Vulkane

Auf der Straße der Vulkane, wie die Panamericana in Ecuador auch genannt wird, ist eigentlich jeder Anblick eines der majestätischen Gipfel überwältigend. Doch das eine ist, die Vulkankegel vom Autofenster aus zu sehen, etwas völlig anderes, den Berg als letztes Bild vor dem Schlafengehen vor sich zu sehen und als erstes nach dem Aufstehen. Das durfte ich mit zwei Freundinnen erleben, mit denen ich am Cotopaxi gezeltet habe. Wir sind morgens von Quito mit dem Bus Richtung Latacunga gefahren und an der Panamericana in der Nähe des Eingangs zum Nationalpark Cotopaxi ausgestiegen. Dort haben wir gleich unsere Fotoapparate gezückt, weil sich der Cotopaxi wunderbar wolkenfrei präsentiert hat. Mit einem lokalen Guide sind wir zunächst zum Parkplatz bei der Schutzhütte gefahren. Von dort sind es nur gut 300 Höhenmeter bis zur Hütte (4.864 m), wo wir uns einen Koka-Tee oder eine heiße Schokolade gegönnt haben.

Winterstimmung auf dem Gipfel

Auf über 4.500 m kommt richtig Winterstimmung auf: Mütze, Handschuhe, Schal, kalter Wind, vereister Schnee. Ja, man kann auch am Äquator einen Schneemann bauen. Man muss nur entsprechend hoch steigen. Und die Aussicht ist phänomenal: Ich glaube, ich habe noch nie ein solches Bergpanorama gesehen (Illinizas, Corazón, Rumiñahui, Pasochoa, Cayambe, Antisana). Ich hatte auch keine Probleme mit der Höhe, aber ich hatte zu diesem Zeitpunkt auch schon über zehn Monate Zeit, mich in Quito an die Höhe zu gewöhnen. Wieder am Fuß des Vulkans hat uns unser Guide zum Campingplatz (viel Wiese und zwei Hütten, eine mit Grill, eine mit Toiletten) gebracht und sich anschließend verabschiedet. Wir haben unser Zelt unter ein paar Bäumen aufgestellt und sind zur Laguna Limpiopongo losgezogen. Auf dem Rückweg haben wir noch Holz für unser Lagerfeuer gesammelt und einen anderen deutschen Backpacker getroffen. Zurück am Zelt haben wir uns alle zusammen ans Kochen gemacht. Mit vereinten Zutaten und Skills ist das Abendessen sogar richtig lecker geworden, auch wenn der Reis wegen des Ascheflugs eine sehr rauchige Note hatte. Alles in Sichtweite des Cotopaxi, der nach und nach in die Farben des Sonnenuntergangs getaucht wurde.

Eisige Kälte für einen traumhaften Ausblick

Sobald die Sonne dann untergegangen war, ist es nur ziemlich schnell ziemlich kalt geworden. Zum Schlafen war es sogar fast zu kalt, auch mit mehreren Lagen Pullovern und Schlafsack. Entsprechend kurz war die Nacht. Aber für den Ausblick am nächsten Morgen, als wir das Zelt aufgemacht haben, hat es sich gelohnt: Sonnenaufgang am Cotopaxi. Und mit Lagerfeuer, Tee und Sonne ist uns auch wieder warm geworden. Im Nachhinein haben wir herausgefunden, dass es in der Nacht bis unter 0°C ging, ups. Nach dem Frühstück sind wir dann per Anhalter zur Panamericana zurückgefahren und von da mit dem Bus zurück nach Quito. Im Gepäck das ein oder andere schicke Foto, aber vor allem unbezahlbare Erinnerungen. Ein weiterer Ausdruck, der mir in Fleisch und Blut übergegangen ist, ist „de una“, was so viel heißt wie „ja klar“ oder „auf geht’s“. In diesem Sinne: De una, vamos a Ecuador!