Viva Cuba – hasta siempre!
09.09.2014 | Autor: Ulrike Hoehne

Viva Cuba – hasta siempre!

Ein Reisebericht aus Kuba von Ulrike Hoehne

Man hat ja so seine Vorstellung von Kuba, der sozialistischen Insel gegenüber von Florida, die von der restlichen Welt abgeblockt ist. Ja, wir kennen die Ché Guevara T-shirts und Fidel Castro, mit Bart und grüner Militäruniform, haben von den Fluchtversuchen verzweifelter Kubaner in die Freiheit gelesen, und seit dem Buena Vista Social Club tanzen wir Salsa, der eigentlich Son heißt. Aber ansonsten scheint uns die Insel doch irgendwie suspekt, fremd, weit weg, und seit dem Fall der Mauer fragt man sich, ob man tatsächlich Urlaub in einem „sozialistisch diktatorischen“ Land machen soll. Die Antwort: unbedingt!

Sie ist wunderschön, die Insel, facettenreich in ihrer Landschaft: von einsamsten Mangrovenwäldern und Stränden an der westlichsten Spitze (Fin de Terre) über fruchtbare Zuckerrohr-, Reis- und Maisfelder bis hin zu üppigen Berglandschaften in Viñales, die nach einem Regenschauer im Abendlicht dampfen. Und immer, immer, stolze Königspalmen, die über die Wipfel der anderen Bäume hinausragen. Vereinzelt stehen Kühe, Ochsen, und Pferde auf Feldern und am Straßenrand. Hin und wieder ein kleines Häuschen, im Schatten eines Flamboyant, mit bunter Wäsche, die im Wind flattert, und Schaukelstühlen auf der Veranda. Die Fenster und Türen sind meist geschlossen, um die Hitze fern zu halten, manchmal sitzen Menschen davor oder ein Hund.

Wenn man sich Ortschaften nähert wird auch der Trubel größer. Wägen, mit einem dürren Gaul davor gespannt, rattern über die Straßen; stolze Männer mit Sombreros reiten auf kleinen Pferden. Fahrradfahrer, mit oder ohne Mitfahrer, oder Menschen einfach nur zu Fuß mit einem Regenschirm als Sonnenschutz. Warten ist man gewohnt, der Bus kommt oder erst später, und so tummeln sich die Kubaner an den wenigen Schattenplätzen, oder winken mit ein paar Geldscheinen und hoffen auf eine Mitfahrgelegenheit. Dazwischen Ochsenkarren, immer zwei Tiere ziehen den Wagen durch die Straßen oder den Pflug durchs Feld. Man fühlt sich um Jahre zurückversetzt, erinnert sich an die Erzählungen der Großeltern.

Aber es ist das 21. Jahrhundert. Auch in Kuba. Handys sind weit verbreitet, obwohl sie kaum zum Telefonieren benützt werden, erklärt uns unser Reiseleiter. Viel zu teuer, ins Ausland geht es sowieso nicht. Und wer keine Verwandten in Amerika hat, der kann sich eh keins leisten. So scheint es mit vielem. Trotz der idealistischen Idee von Gleichheit im Sozialismus, gibt es zwei Klassen in Kuba. Die, die an CUC (Devisen) kommen, sei es durch Einnahmen durch den Tourismus oder Hilfe aus dem Ausland, und die, die keine haben. Die einen können es sich seit neuestem leisten in Hotels Urlaub zu machen oder in Restaurants zu essen. Die anderen kaufen das Notwendigste in einheimischen Supermärkten, die wir als Touristen nie zu sehen bekommen. Seife, Klopapier, Seidenstrumpfhosen – diese Art von Luxus ist rar. Die Toilettenfrauen, die mit Wassereimern nachspülen und ein paar Blatt Toilettenpapier „verkaufen“, freuen sich oft mehr über Seife als über ein paar Cent. Und obwohl Grundnahrungsmittel teuer sind, wird aufgetischt. So ist es Tradition, in einem Land, das Hunger kennt, in dem die Menschen noch vor ein paar wenigen Jahren fast verhungert sind, und die nur durch Essensmarken und Rationierungen überlebt haben. Heute besteht das menú immer aus frutas, ensalada, arroz con pollo o cerdo o pescado, malangas, patatas ... in Bergen, viel zu viel. Das deutsche Gewissen plagt, wenn man das meiste zurückgehen lassen muss. Dafür trinkt man mehr Mojitos, Cuba Libres oder ron siete anos – pur. Wie die Kubaner selbst, denn sie genießen ihr Kuba in vollen Zügen.

Am Wochenende sind die Strände und das Meer voll. Sie sitzen im Wasser, in kleinen Gruppen, es wird geredet, gelacht, getrunken, stundenlang, von irgendwoher schallt Musik, nicht die melancholischen Klänge über el commandante oder die verlorenen Liebe, sondern moderner Latino Pop. Ah, und La Habana, diese wunderbare Stadt, die so majestätisch an der Bucht liegt, geschützt von drei Forts. Säulengänge und Balkone ranken sich um die hübschen Kolonialhäuser, herrlich schattige Plätze laden zum Verweilen und Lesen ein, beeindruckende Bauten zeugen von Reichtum und Macht, die man sich nur vorstellen kann; hinter den hohen Türen offenbaren sich wunderschöne Innenhöfe, heute oft Restaurants oder kleine Museen oder Ausstellungsorte: ob alte Waffen, ein Schokoladenmuseum oder antike Bücher. Es gibt viel zu sehen und zu erkunden. Und wenn man die engen Gassen betritt, oder sich Havanna von einem der zahlreichen Türme aus ansieht, dann wird klar, dass diese Stadt bröckelt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Es scheint, als würde sie nur deshalb noch stehen, weil sich ein Haus ans andere lehnt und sie sich somit gegenseitig aufrecht halten. Der Putz bröckelt, die Farbe blättert, Fensterscheiben fehlen. Wie die Wasserversorgung und Elektrizität funktioniert bleibt ein Geheimnis.

Auf der teils achtspurigen Straße entlang des legendären Malecón fahren Fahrzeuge, aber wenige, und wenn dann sind es Cocotaxis, alte Ladas, ein paar russische oder chinesische LKWs und diese wunderbaren Oldtimer, die aus Kuba nicht wegzudenken sind. Ob alt und verrostet oder aufgemotzt in Pink, ob mit Dach oder als Cabriolet, dieser Charme ist unbezahlbar – und eine Fahrt in einem alten Buick oder Chevrolet ein absolutes Highlight. Und die Politik? Die ist überall sichtbar. Auf Billboards am Straßenrand oder an Häuserwänden stehen die alten Propaganda Sprüche der Revolution: Patria o muerte! Mit Arbeit und Disziplin zur Freiheit! Hasta victoria siempre! Die Revolution ist immer gegenwärtig, ihre Helden unvergessen – teils sitzen sie noch an der Spitze verschiedener Ministerien. Man ist sich der Problematik des Sozialismus durchaus bewusst. Aber noch tiefer sitzt die Erinnerung an die grausame Zeit der Sklaverei unter den Spaniern, der Tyrannei eines Batista, der Schreckensherrschaft der Mafia, der Korruption unter dem Einfluss der Amerikaner. Politik und Wirtschaft sind komplex und kompliziert, und für Fremde kaum nachzuvollziehen. Und obwohl Raul Castro die ein oder andere Regelung zu Gunsten der Kubaner gelockert hat, so gibt es doch Gesetze, die ihre Freiheit weiterhin einschränken.

Kuba ist zu komplex um nach nur einer Reise sagen zu können: Jetzt weiß ich Bescheid. Zu viel gibt es noch, das wir nicht gesehen und erlebt haben. Und deshalb: Hasta luego Cuba mi amor! Y gracias Orlando, für den unvergesslichen, emotionalen Einblick in dein Land!

  • Kuba Havanna Kubanerinnen
  • Kuba Trinidad Strasse
  • Kuba Trinidad Aussicht
  • Grüner Oldtimer auf Kuba
  • Kuba Ausblick über Trinidad

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