9 Highlights auf Kuba, die ihr unbedingt erleben müsst!
26.11.2019 | Autor: Enrique Perez

9 Highlights auf Kuba, die ihr unbedingt erleben müsst!

Kuba ist – wie viele Destinationen der Welt – von bestimmten touristischen Klischees geprägt. Die Revolution, Fidel, Oldtimer, Zigarren, Rum, Musik und traumhafte Karibikstrände zählen zu den Stereotypen, die ihr sicher auch von Kuba kennt. Als Kubaner kann ich euch sagen, Kuba entspricht definitiv dem Klischee, aber ich empfehle euch, auch die anderen Seiten der Karibikinsel kennenzulernen, die nicht in jedem Reiseführer als Highlights beschrieben werden.  

Ich bin zwar Kubaner, doch erst durch meine Zeit als Reiseleiter auf Kuba, habe ich immer wieder neue Seiten und Orte meiner Insel kennengelernt, die mich fasziniert haben. Sei es aufgrund des Ortes an sich oder der Menschen, die den Ort zu etwas Besonderem machen. Hier stelle ich euch meine 9 Highlights vor, die für mich bei einer Kuba-Rundreise nicht fehlen dürfen. 

Coco Taxis an der Straße von Havanna, Kuba

Zeitung lesender Mann auf Kuba

Kubanische Mahlzeit

1. Verschlafenes Fischerdorf Puerto Esperanza

Irgendwann in den 1950er Jahren, scheint die Zeit hier stehen geblieben zu sein. Puerto Esperanza ist ein typisch kubanisches Fischerdorf an der Nordküste Kubas – verschlafen und etwas heruntergekommen könnte man auch dazu sagen. Auf den ersten Blick bietet der Ort nicht viel, aber wenn ihr dem Trubel des 30 km entfernten Viñales entkommen wollt, findet ihr in Puerto Esperanza Ruhe, Erholung, ein bisschen kubanischen Alltag auf dem Land und vor allem leckeres Essen.  Denn was wäre ein Fischerdorf ohne Paladares, die auf Fisch- und Meeresfrüchte spezialisiert sind? 

Nachdem ich das Dorf einige Male besucht habe, ist nun das winzige Restaurant von Tony mein absoluter Favorit und zählt definitiv zu meinen 9 Highlights auf Kuba. Und das nicht nur wegen des Essens, sondern vielmehr wegen Kleinigkeiten wie seiner Freundlichkeit, der Flexibilität und vor allem dem Charme des gemütlichen Plätzchens. Tony hat Platz für ca. 15 Personen. Ok, Platz ist vielleicht etwas übertrieben. Denn nur, wenn man sich ein bisschen aneinander kuschelt, passen auch 15 Personen in das Restaurant. Bekannt ist Tony für seine Mojitos und vor allem für sein „Escaveche de Pescado“. Ich war nie so der Fan davon, aber Tony hat darauf bestanden, dass ich es zumindest probiere. Und wie soll ich sagen, jetzt bin ich süchtig danach. Leider kann Tony das Escaveche nicht immer anbieten, da dafür der richtige Fisch auf den Teller muss und das ist saisonabhängig. Verraten hat er mir die Sorte natürlich nicht – Betriebsgeheimnis! Aber für mich als Angler reicht die Saison-Info um herauszufinden, welchen Fisch Tony anbietet. Und wer weiß, vielleicht kann ich Tony bei meinem nächsten Kuba-Besuch die Fischsorte auf die Nase binden und ihm eine Kopie seines Escaveche vorbeibringen...

2. Food-Tour in Havanna

„Kuba ist Havanna, der Rest ist nur Landschaft!“ Das ist ein uralter Spruch der „Habaneros“, der zum Leidwesen der Einwohner anderer Provinzen als Spaß genutzt wird. Aber eine kleine Wahrheit versteckt sich dahinter – und das sage ich nicht nur, weil ich selbst aus Havanna komme. In der Hauptstadt treffen sich seit Jahrhunderten so viele kulturelle Elemente, dass man heutzutage in der Tat behaupten kann, in Havanna könne man das ganze Kuba vertreten finden. Und das sieht man am besten, wenn es ums Essen geht. 

Wenn ihr in Havanna unterwegs seid, macht euch auf jeden Fall auf die Socken und haltet Ausschau nach den besten Straßenständen mit kubanischem Essen. Fündig werdet ihr in Habana Vieja, Centro Habana und Vedado. Geführte Touren sind natürlich noch besser für alle, die beim Essen nicht immer den richtigen Riecher haben. Von Churros über Hamburger bis hin zu Zuckerrohrsaft, dem sogenannten "Guarapo", könnt ihr alles finden oder nichts. Das ist immer abhängig von der Saison und der Situation im Land. "No es facil", wie wir Kubaner so oft sagen, vor allem, wenn man für diese „alltäglichen Dinge“ auch noch Schlange stehen muss. Besucht auf jeden Fall die Eisdiele "Coppelia“. Sie ist das wahre Mekka für Eisliebhaber! In den sechs Jahren während meines Studiums habe ich dort garantiert 400-500 Mal Eis gegessen! 

3. Havanna von oben aus der Kathedrale San Francisco de Asis 

Inmitten der Altstadt Havannas findet ihr eine der schönsten Barock-Kirchen der Insel. San Francisco de Asis ist aktuell ein Museum für religiöse Kunst und einer der besten Konzertsäle des Landes. Die Akustik im Bauch der Kirche ist einfach überwältigend, ich durfte es ein paar Mal selbst erleben. Aber das ist nicht alles. Die Kirche hat einen ca. 40 Meter hohen Turm, von dem ihr den Blick über den Kirchenplatz und die Bucht vor Havanna schweifen lassen könnt – definitiv eines meiner 9 Highlights auf Kuba.

Der Aufstieg ist ein bisschen abenteuerlich, aber es lohnt sich. Ich habe tatsächlich erst in meiner Zeit als Reiseleitung erfahren, dass der Turm für Publikum geöffnet ist – einfach nur, weil eine Teilnehmerin der Reisegruppe fragte: „Können wir auf den Turm auch hoch?“. Für 2 CUC Eintritt machten wir uns nach kurzer Klärung der Situation dann auf den Weg nach oben. Seither genieße ich den Ausblick über die Stadt lieber von hier oben, als von einer Dachterrasse eines Restaurants irgendwo in der Altstadt und kann es nur jedem empfehlen, der in Havanna unterwegs ist und sich zumindest ein bisschen für Kirchen interessiert. 

Strand in Jibacoa auf Kuba

4. Abtauchen am Playa Jibacoa 

Da, wo der Strand endet, fängt die Natur an. Jibacoa ist kein Strand, wie viele andere auf Kuba. Er ist sehr naturbelassen und durch die zahlreichen Meeresstraubenbäume und Kokosnusspalmen, findet ihr immer einen Schattenplatz und könnt euch so einem entspannten Strandtag widmen. Wer Lust zum Schnorcheln hat, stürzt sich einfach in die Fluten, denn dank eines Korallenriffs, schwimmen hier einige bunte Meeresbewohner vor dem Strand entlang. Außerdem könnt ihr in der Gegend tolle Strandwanderungen unternehmen, immer wieder die Füße ins Meer strecken und die Natur genießen. 

Ich komme ursprünglich aus einem Stranddorf in Osthavanna (Playas del Este). Der Strand liegt ca. 700 Meter von der Wohnung meiner Familie entfernt – also, kurzer Spaziergang und „platsch“ geht’s ins Wasser. Deswegen war meine Familie auch sehr überrascht, als ich eines Tages sagte: „Wir fahren heute an den Strand.“ Die Blicke, als wir in Jibacoa ankamen, waren dafür unbezahlbar! Seitdem ist unser hauseigener Strand nur noch für die schnelle Erfrischung reserviert. Die echten Strangtage verbringen wir alle in Jibacoa und so ist der Strand zu einem der 9 Highlights auf Kuba geworden – für meine ganze Familie.

5. Sagua La Grande - geheimes Juwel der Insel 

Wenn ihr ein geheimes Juwel der Insel entdecken wollt und euch für historische Gebäude interessiert, seid ihr in Sagua La Grande genau richtig. In kaum einem Reiseführer erwähnt, reiht sich hier ein ansehnliches Gebäude im neoklassischen Stil des 19. Jahrhunderts an das nächste. Das Zentrum des Städtchens wurde zwar saniert, um den Tourismus anzulocken, trotzdem sind Reisende eher eine Seltenheit hier. An den Ruinen des ehemaligen Spanischen Casinos oder der Bank of Canada, könnt ihr erahnen, in welchem Glanz der Ort einmal erstrahlte. 

Ein paar Kilometer von Sagua La Grande entfernt, liegt das beschauliche Hafendorf Isabela de Sagua. Galt es früher als Venedig Kubas, könnt ihr heute einen schönen Ausblick auf die naheliegenden Cayos genießen und gut essen. Beim Mittagessen auf Stelzen – ihr schwebt quasi auf dem Wasser – könnt ihr nicht nur lecker essen, sondern euch die frische Meeresbrise um die Nase wehen lassen. Es erübrigt sich sicher zu sagen, was ihr bestellen solltet. Und wer weiß ob ihr nicht bei guter Sicht sogar ein versunkenes Schiff in der Bucht entdecken könnt…

Landwirt zieht mit seinen Kühen durch die Straßen Kubas

Kubakauz im Baum

6. Die Schweinebucht abseits der Invasion

Die Schweinebucht ist euch sicher von der Invasion 1961 bekannt. Dass sie aber auch zum UNESCO-Biosphärenreservat Nationalpark Cienaga de Zapata gehört, ist sicher nicht ganz so geläufig. Das Gebiet besteht weitgehend aus unwegsamen Sümpfen und Mangroven und ist der ursprünglichste Lebensraum Kubas. Außerdem gehört die Schweinebucht zu den ornithologisch interessantesten Gebieten, die Kuba zu bieten hat. Da ich ein paar seltene Vögel sehen wollte, war ich mit William, einem Parkranger und ornithologischen Spezialisten, vor Ort.

Eine Tour mit William kann ich euch absolut empfehlen, wenn ihr euch – zumindest ein bisschen – für die Vogelwelt interessiert. Ansonsten solltet ihr euch auf die Unterwasserwelt konzentrieren. Da Angeln in der Region streng verboten ist, könnt ihr hier eine beinahe unberührte Unterwasserwelt erkunden und viele Fische entdecken. Und das auch als ungeübter Schnorchler – ich spreche hier aus Erfahrung! Ich habe lange versucht William mit ins Wasser zu nehmen, wegen meiner geringen Schnorchel-Erfahrung. Wenn er aber die Aussicht auf das trockene Ufer und ein kühles Getränk im Schatten hat, habt ihr absolut keine Chance! 

7. Gibara - die gar nicht mehr so weiße Stadt 

Gibara ist ein ziemlich in Vergessenheit geratenes Küstenstädtchen und warum es „die weiße Stadt“ genannt wird, erschließt sich euch sicher nicht wirklich beim ersten Besuch. Ich war auch überrascht, als ich das erste Mal durch die Straßen schlenderte. Denn die Häuserfassaden sind entweder bunt oder die Farbe ist bereits abgebröckelt und graue Mauern haben die Oberhand übernommen. Zu Kolonialzeiten allerdings erstrahlte die Stadt in schönstem Weiß. Zugegeben, es ist ein bisschen schwer, sich das heute vorzustellen. 

Das raue, maritime Flair verleiht dem Städtchen einen ganz besonderen Charme, der auch mich immer wieder in seinen Bann zieht, wenn ich Gibara besuche. Mit der typischen Küstenstadt-Ruhe zählt der Ort auf jeden Fall zu meinen 9 Highlights auf Kuba. Wenn es euch nach Gibara verschlägt, erfahrt ihr ein Stück wahres, kubanisches Leben. Die Bewohner leben sehr einfach und sind nett und aufgeschlossen. Übernachtet man in einer Casa Particular, kann man sicher sein, einen guten Ansprechpartner für Ausflüge, Restaurantbesuche, Abendaktivitäten, etc. sowie einen netten Gesprächspartner gefunden zu haben. Vorausgesetzt man spricht ein paar Brocken Spanisch. 

Festung El Morro in Havanna, Kuba

Strand mit türkischem Wasser in Kuba

Natürliches Schwimmbecken mit Wasserfall in Topes de Collantes, Kuba

8. El Morro in Santiago de Cuba

Die Festung El Morro in Santiago de Cuba hat einen ganz besonderen geschichtlichen Stellenwert für Kuba. In einer Fotoausstellung werden hier der kubanische Bürgerkrieg, die Seeschlacht von Santiago de Cuba Ende 1898 und die Geschichte der Piraterie in der Karibik thematisiert. Obwohl ich selbst diese Themen sehr spannend finde, bin ich oft aus einem anderen Grund hier: Ich liebe die Aussicht. Der Blick über die Bahia de Santiago und Cayo Granma und die grünen Höhen der Sierra Maestra. Hier kann ich lange sitzen, vergesse meine Sorgen und genieße ein kühles Bier und eine kleine Zigarre. Bei angenehmer Brise und der immer wehenden Kubanischen Flagge, vergesse ich völlig die Zeit, bis mich der Kanonenschuss der täglichen Zeremonie kurz vor Abenddämmerung in die Realität zurückholt und ich mich langsam auf meinen Weg mache...

9. Südküstenstraße Santiago de Cuba

Unterwegs auf abenteuerlichen Wegen. So kann man die Fahrt an der Südküste Kubas von Santiago de Cuba nach Marea de Portillo beschreiben. Hier ist eindeutig der Weg das Ziel und nur, wenn ihr Geduld und Zeit habt, solltet ihr euch dieser Straße widmen. Für mich ein absolutes „Muss“ und eines meiner 9 Highlights bei einer Kuba-Rundreise, denn man trifft hier kaum eine Menschenseele. Das ist zwar nicht ganz so optimal, falls ihr eine Autopanne habt, aber davon solltet ihr euch nicht abbringen lassen.

Die 170 Kilometer lange Strecke bietet einen, sagen wir, recht rustikalen Straßenzustand. Ihr werdet nicht wirklich schnell vorankommen, da alles holpert und knarrt. Aber wie gesagt ist der Weg das Ziel und ihr werdet belohnt mit wechselnden Landschaften. An steil abfallenden Bergen der Sierra Maestra oder geschwungenen, kleinen Traumbuchten könnt ihr euch kaum satt sehen. Ich habe mir diesen Streckenabschnitt auf der Fahrt nach unten vom Pico Turquino angeschaut und war begeistert. Geschlafen habe ich in meinem Schlafsack auf dem Boden des rustikalen Restaurants einer Biostation fast direkt am Meer. Und das passt für mich einfach ganz gut zu dieser rauen Landschaft und der holprigen Straße hier. Wenn ihr auf eurem Weg eine kleine Bucht findet, die sich für eine Pause lohnt, haltet an und springt ins Meer! 


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