Reisen in Zeiten von Corona
23.04.2020 | Autor: Rainer Stoll

Reisen in Zeiten von Corona

Liebe Reisefreundinnen und Reisefreunde,
seit 1994 veranstalte ich schon Reisen, mehr als 50.000 Gäste waren schon mit uns unterwegs und wir haben viel erlebt und überlebt, den 11. September, die Wirtschaftskrise 2009, Umstellung aufs Internet und viele andere wegweisende Ereignisse, aber so etwas wie die Coronakrise mit ihren Auswirkungen in allen Lebensbereichen hat es bislang noch nicht mal annähernd gegeben.

 

Zusammenhalt als wichtigste Stärke

Ich war selbst gerade mit einer Reisegruppe in Uganda unterwegs, als es richtig losging. Ich habe zum Glück die Reise rechtzeitig abgebrochen und die Gruppe vorzeitig nach Hause gebracht. Unser gesamtes Team war da schon damit beschäftigt, Reisende aus den Reiseländern zurückzuholen. Mit meinen Freunden und Geschäftspartnern in Costa Rica haben wir uns um gestrandete deutsche und Schweizer Gäste gekümmert und in unseren Hotels untergebracht. Die ganze Branche hat zusammengehalten. Inzwischen sind alle unsere Gäste wieder zuhause.

Ausnahmezustand - aber wie lange?

Die Situation, in der wir uns jetzt befinden ist bedrückend: Viele Hunderttausend Menschen sind an Covid-19 erkrankt, mehrere Tausend bereits daran gestorben. Wir alle arbeiten im Homeoffice, in unseren Zielgebieten herrscht der Ausnahmezustand. Aber da erzähle ich Ihnen sicher nichts Neues.

Aufgrund der aktuellen Reisebschränkungen, seitens des Auswärtigen Amtes, werden wir alle Reisen bis Abreisedatum 31.05.2020 absagen müssen. Wir werden unsere betroffenen Kunden informieren und wenn möglich Ihre geplante Reise umbuchen, damit unsere Gäste die Sicherheit haben, ohne Mehrkosten Ihre Reise in hoffentlich naher Zukunft genießen zu können. Im Moment sind wir damit beschäftigt, möglichst viele Termine für 2021 zu kalkulieren, leider ist es bisher nicht absehbar ab wann wir Sie wieder in die wunderschönen Regionen unserer Erde schicken können. Wir sagen aber die Reisen jetzt noch nicht proaktiv ab, das muss das Auswärtige Amt entscheiden. Wenn Sie bei uns gebucht haben und jetzt schon Ihre Reise umbuchen wollen, kommen Sie bitte auf uns zu, wir sind sicher, eine Lösung zu finden.

Wirtschaftliche Auswirkungen

Wir leiden natürlich – wie alle in der Touristikbranche – ganz besonders unter der Coronakrise. Warum, das möchte ich Ihnen erläutern:

  • Wir mussten die Rückholaktionen für unsere Gäste bezahlen. Die Flüge waren nicht kostenlos!
  • Wir haben die Flüge, Hotels, die Reiseleiter und Transportgesellschaften für die bereits gebuchten Reisen unserer Gäste schon vor Abreise bezahlt. Die Fluggesellschaften und die anderen Leistungsträger zahlen diesen Betrag aber nicht zurück, sondern geben uns Gutscheine dafür. Wir als Reiseveranstalter sollen laut Gesetz aber unseren Gästen den vollen Reisepreis zurückerstatten. Unsere Partner vor Ort sind oftmals kleine Hotels, kleine Agenturen, frei arbeitende Reiseleiter, die jetzt alle vor dem Ruin stehen, auch diesen Partnern gegenüber haben wir eine hohe Verantwortung.
  • Wir haben einen kompletten Umsatzeinbruch. Normalerweise sind der Februar und der März die umsatzstärksten Monate, dieses Jahr fällt der Umsatz komplett aus.

Was tun wir dafür, die schwierige Zeit zu überstehen?

Wir haben unsere Mitarbeiter nicht entlassen, sondern sie in Kurzarbeit ins Homeoffice geschickt. Im Moment noch auf 40 Prozent, aber wahrscheinlich müssen einige Kolleginnen und Kollegen bald auf Null-Prozent-Kurzarbeit gehen, denn ohne Buchungen ist auch nicht so viel Arbeit hier zu tun. Ich habe als Geschäftsführer mein Gehalt ebenso auf Kurzarbeitsniveau angepasst. Wir setzen höchste Priorität darauf, keine Entlassungen vornehmen zu müssen. Wir haben mit unserer Hausbank abmachen können, dass wir den Kredit für unser Bürogebäude eine Zeit lang tilgungsfrei stellen können. Wir reduzieren alle Fixkosten, wo immer es Sinn macht, sprechen mit Lieferanten und Agenturen über Stornierung von Aufträgen und lassen diese gegebenenfalls stornieren. Das alles ist nicht leicht, erfordert viele Telefonate, Gespräche und teilweise auch harte Entscheidungen. Wir stehen in stetem Austausch mit Reiseveranstaltern, mit unseren Partneragenturen, Reiseleitern, mit den Fluggesellschaften und mit Hoteliers. Ein paar Reaktionen unserer Partner könnt ihr auf unsere Facebook-Seite als Video ansehen.

Ich bin jedem einzelnen Gast dankbar, der seine Reise nicht storniert, sondern umbucht. Da sind zwar noch einige Fragen offen (zum Beispiel, was passiert, wenn eine Airline insolvent wird?), aber das sind alles Probleme, die wir lösen können. Was wir im Moment leider nicht leisten können, ist die Erstattung des vollständigen Reisepreises bei Reisen, die wir aufgrund einer Entscheidung des Auswärtigen Amtes absagen mussten. Das würde unsere Liquidität aus oben genannten Gründen gefährden. Wir gehen davon aus, dass wir – ähnlich wie Reiseveranstalter in Belgien, Frankreich, Holland, Dänemark, Großbritannien – eine Gutscheinlösung (Reiseguthaben mit Insolvenzversicherung) haben werden. Eine Entscheidung der Bundesregierung erwarten wir bis Mitte April, solange bitten wir um Geduld.
Aktuell hoffen wir darauf, dass wir ab 1. Mai, spätestens aber ab 1. Juni wieder Reisen stattfinden lassen können. Es liegt allerdings nicht in unserer Macht. Wir sind aktuell von 10 Uhr bis 16 Uhr erreichbar und wir würden uns sehr freuen, wenn Sie uns die Treue halten. Vielen Dank und bleiben Sie gesund!

Rainer Stoll
Geschäftsführer


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