On Tour durch Guatemala (2): Bunte Gruften, heilige Riten & Natur pur
17.01.2019 | Autor: Jara Schreck

On Tour durch Guatemala (2)

Bunte Gruften, heilige Riten & Natur pur

Als wir uns in Chichicastenango vor kleinen, dampfenden Häufchen wiederfinden, hilft nur ein zweiter Blick um zu sehen, was hier gerade passiert. Besonders auf Fotografien wirkt das sehr skurril. Könnt ihr euch denken, wovon wir sprechen? Kleiner Tipp: Es ist nicht das Erste, was euch dazu in den Sinn kommt! Aber mehr dazu und wo man besonders gut einfach mal abtauchen kann, das steht in unserem Teil 2 „On Tour durch Guatemala“.   

Heilige Maya-Riten in Chichicastenango

Bereits auf der Fahrt nach Chichi – was uns deutlich leichter über die Lippen kommt als Chichicastenango – werden wir mit einigen Aussichten belohnt und erhaschen kurze Einblicke in das dörfliche Leben. Das quiekende Schwein, dem nach seinem Leben getrachtet wird, hätten wir allerdings gerne ausgelassen. In unserem Hotel in Chichi angekommen, werden wir von zwei farbenfrohen Aras begrüßt, die sich im kleinen Garten niedergelassen haben. Im Zimmer selbst fällt uns als erstes der Kamin ins Auge. Wir schauen uns an und fragen uns, wozu dieser bei den angenehmen Temperaturen von 25 °C wohl nützlich sein wird? Später mehr dazu… 

Unsere Besichtigungstour führt uns zuerst zum beeindruckenden Friedhof der Gemeinde. Wir sind ebenso fasziniert von den einfachen, handbeschriebenen Kreuzen wie auch von den großen, bunten Häusern oder Gruften. Wer in einer dieser bunten Gruften wohl seine letzte Ruhestätte gefunden hat? In jedem Fall ein freundlicherer Ort für die ewige Ruhe als die uns bekannten, heimischen Friedhöfe. Wir kommen vorbei an ein paar Guatemalteken, die hier einen Unterschlupf gefunden haben und sich gemeinsam beim Kochen des Abendessens unterhalten – irgendwie skurril, dieser Anblick.

Nach kurzem Fußmarsch erreichen wir die Kirche Santo Tomas – das Zentrum der Maya-Riten. Die auf den Stufen eines alten Maya-Tempels erbaute Kirche ist Tag für Tag Schauplatz für rituelle Zeremonien. Kommen wir also zurück auf die zu Beginn erwähnten, dampfenden Häufchen. Es sind Häufchen aus Kopalharz – Opfergaben, um den Göttern zu huldigen. So ist der Kirchenvorplatz täglicher Versammlungsort von Gläubigen, die ihre Götter ehren, was dem Platz und der Kirche eine ganz mystische Stimmung verleiht. 

Auf dem Rückweg zum Hotel ahnen wir bereits, dass wir unseren Kamin im Hotelzimmer noch sehr schätzen werden. Die Temperaturen sinken rapide und wir sind froh, dass der kleine Kamin eine wohlige Wärme ausstrahlt. Als wir später müde in die Betten fallen, fragen wir uns noch, ob wir tatsächlich im warmen Guatemala oder nicht vielleicht doch in einer Schwarzwaldhütte im Winter gelandet sind?!

Friedhof in Chichicastenango

Markttag in Chichi – Genuss oder Tortur? 

Guten Morgen, liebe Sonne! Wir sind wohl doch nicht im winterlichen Schwarzwald gelandet, denn bei milden Temperaturen machen wir uns wieder im T-Shirt auf den Weg ins Zentrum von Chichi. Es ist Donnerstag und somit Markttag. Wir sind gespannt, was uns auf dem riesigen Markt erwartet, der Einheimische sowie Reisende von nah und fern anzieht. Und wir sind geschockt. Wirklich alles, von bunten Stoffen, Kleidung, großen und kleinen Kunsthandwerken bis hin zu Bohnen, Fleisch, Fisch, Gemüse und auch frisch zubereiteten Mahlzeiten, wird hier angeboten. Es wird gefeilscht und geplaudert und als Tourist ist man schon nach kurzer Zeit völlig überfordert. 

Wenn man nicht auf die Angebote der Standinhaber eingeht, kann es sein, dass man noch über den halben Markt verfolgt wird, in der Hoffnung, man möge doch noch auf das Angebot eingehen. Denn schließlich hat keiner so schöne Stoffe wie eben dieser eine Stand! Nach dieser Reizüberflutung waren wir fast froh, am späten Vormittag wieder mit all unserem Gepäck sicher bei Marco im Auto zu sitzen, um die Weiterfahrt anzutreten.

Guatemala Chichicastenango Markt 3

Eine wilde Fahrt nach Cobán 

Wir sagen „Tschüss Chichi“ und holpern – denn fahren kann man es auf den hiesigen Straßen oft nicht nennen – über schöne Berglandschaften und vorbei an quirligen Straßenmärkten nach Cobán. Nach sechs Stunden im Auto sind wir dankbar, als wir in Cobán aussteigen und die Glieder strecken können. Der Ort liegt in einem sehr grünen Gürtel. Beste Voraussetzungen für den Kaffee- und Kardamomanbau und als Lebensraum des bunten Nationalvogels Quetzal. Wir richten uns noch etwas ein und legen die Beine hoch, denn morgen geht es früh los. Wir wollen nach Semuc Champey, einem der beeindruckendsten Naturschauspiele Guatemalas.

Durch die Augen des Quetzal in Semuc Champey

Früh am Morgen steht Marco schon bereit, um uns nach Semuc Champey zu bringen. In dem Örtchen Lanquín wird es direkt abenteuerlich, denn wir steigen in einen kleinen Pick-up um. Ganz traditionell nehmen wir auf der Ladefläche Platz. Gut, es ist recht holprig, aber wir haben die besten Ausblicke auf die üppige, exotische Vegetation des Regenwaldes. Und darum geht es ja schließlich. Am Parkplatz angekommen, rüsten wir uns mit Wasser und Badesachen aus und machen uns auf den Weg in Richtung Aussichtspunkt. Was uns da oben erwartet, das ist einfach der Hammer!

Semuc Champey ist eine wahre Oase inmitten des tropischen Regenwaldes und schwer zu beschreiben für alle, die es noch nicht selbst gesehen haben. Kurz gesagt handelt es sich um den Fluss Cahabón, der sich durch ein Tal schlängelt. Aber das ist lange nicht alles. Der Boden besteht hier aus Kalkstein, der vom Cahabón im Laufe der Zeit an verschiedenen Stellen unterspült wurde, sodass sich ein einzigartiges Gebilde von treppenartig angelegten Wasserbecken entwickelte. Die smaragdgrün schimmernden Becken ziehen uns förmlich in ihren Bann und von hier oben erahnen wir, wie sich der Göttervogel Quetzal fühlen muss, wenn er lautlos über das Tal gleitet und seinen Blick auf das richtet, was unter ihm vorbeizieht. Auch wir lassen den Blick noch eine Weile umherschweifen und bestaunen fasziniert, wie die Sonnenstrahlen auf der Wasseroberfläche tanzen. 

Ganz euphorisch geht es wieder an den Abstieg und wir freuen uns auf das kühle Nass, das uns am Ende des Weges erwartet. Wir genießen die Erfrischung in den verschiedenen Wasserbecken. Sogar unter kleinen Wasserfällen ist es möglich zu baden. Mit den Geräuschen des ringsum dichten Dschungels und dem beruhigenden Plätschern der Wasserfälle wird der Aufenthalt geradezu musikalisch untermalt  – ein wahres Paradies! 

Wasserbecken von Semuc Champey

Wasserbecken von Semuc Champey in Guatemala

Im Dunkeln ist gut munkeln oder so ähnlich

Ein kurzer Weg führt uns anschließend wieder zum Parkplatz, wo Marco und der Pick-up bereits auf uns warten, um uns zurück nach Lanquín zu bringen. Nach diesem ganzen Sonnenschein geht es kühl und dunkel weiter, denn wir wagen uns in die Tiefen der Grutas de Lanquín, einer Tropfsteinhöhle. Bewaffnet mit Taschenlampen kämpfen wir uns über glitschige Stufen – immer auf der Hut vor umherschwirrenden Fledermäusen. Ja, Fledermäuse, denn die schlafen hier tagsüber an den Höhlendecken. Und sicher kennt ihr aus Filmen, was passiert, wenn schlafende Fledermäuse erschreckt werden: Es gibt ein großes Chaos! Wir wecken die kleinen Tierchen glücklicherweise nicht auf und können uns in aller Ruhe den beeindruckenden Skulpturen widmen. Nach einer halben Stunde stehen wir mit zusammengekniffenen Augen wieder in der Sonne und unserem Fahrer Marco gegenüber. Jetzt wollen wir zurück in Richtung Hotel, denn dort wartet eine leckere Grillplatte, die wir uns nicht entgehen lassen möchten.

Besucher der Mayastätte Tikal in Guatemala

Dunkle Höhlen – Treffpunkte für Maya-Kulte

Pünktlich nach dem Frühstück erwartet uns Marco mit blank geputztem Auto für die Weiterfahrt. Heute soll es in Richtung Norden gehen. Unser Ziel ist Flores, Ausgangspunkt für den Besuch des berühmten Maya-Zentrums Tikal. Zuerst legen wir noch einen Stopp bei den Candelaria-Höhlen ein. Hier – mitten im Nirgendwo – befindet sich eine wunderschöne Lodge, die Candelaria Lodge. Von hier aus starten wir unser nächstes Höhlenabenteuer. Mit Gummistiefeln und Taschenlampe stapft unser Guide voraus und führt uns in ein riesiges System aus großen und winzig kleinen Tropfsteinhöhlen. Wie er uns erzählt, waren die Höhlen früher wichtige Treffpunkte der Maya, die hier ihre Zeremonien und Kulte auslebten. Wenn man sich überlegt, dass hier im Dunkel der Höhle wilde Gesänge und Tänze stattfanden – irgendwie ein bisschen gruselig, die Vorstellung. So konzentrieren wir uns auf die Skulpturen und versuchen zu interpretieren, was hier dargestellt sein könnte. Ganz wichtig: Wir versuchen wieder, bloß nicht die Fledermäuse aufzuwecken, die sich durch uns doch ein bisschen gestört fühlen.

Wo wir hier und da immer wieder mit den Maya in Berührung gekommen sind, wollen wir nun endlich das einstige Zentrum besuchen und so machen wir uns mittags auf den Weg in Richtung Flores. Nach mehreren Stunden Fahrt durch verschiedenste Landschaften und per Fähre über einen Fluss erreichen wir die kleine Inselstadt Flores, die uns mit den vielen bunten Häuschen und der entspannten Atmosphäre direkt begeistert. Hier können wir den langen Tag entspannt ausklingen lassen, denn am nächsten Tag steht eines der Highlights der gesamten Guatemala-Rundreise an: die Maya-Stätte Tikal. Von diesem Besuch berichten wir euch in Teil 3. Seid gespannt, was Guatemala noch alles zu bieten hat! 


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