Wie geht es weiter mit travel-to-nature?
21.08.2020 | Autor: Rainer Stoll

travel-to-nature - wie geht es weiter?

Liebe Reisefreundinnen und Reisefreunde,

In Zunkunft werden die Menschen nur noch wenige, aber dafür möglichst nachhaltige Reisen unernehmen. Sie bleiben mindestens vier Wochen im Reiseland, hinterlassen nichts, außer Ihren Fußabdrücken. Sie wohnen in kleinen, von Einheimischen geführten Unterkünften, bezahlen dafür einen fairen Preis, nehmen Rücksicht auf die Bevölkerung, pflanzen Bäume zur Kompensation, vermeiden Inlandsflüge, essen vegetarisch und verbrauchen auch sonst kaum natürliche Ressourcen. Das alles individuell oder in sehr kleinen Gruppen mit wunderbaren Reiseleitern.  

Und weil die Menschen dafür einen passenden Reiseveranstalter brauchen, müssen wir eigentlich nur warten, bis wieder gereist werden kann. Denn all das bieten wir unseren Gästen bereits jetzt. 

So einfach wird es leider nicht, obwohl es schön wäre. Unsere aktuelle, etwas diffizilere Strategie möchten wir euch hier im Blog erklären. 

Costa Rica Hängebrücken

Die gute Nachricht voraus

Wir haben seit März hart gearbeitet und zuerst alle Gäste aus den Zielländern heraus geholt. Keiner der Gäste musste seinen Rückflug selbst zahlen, kein Flug musste von der Regierung bezahlt werden (auch wenn Herr Maas das anders hinstellt). Als alle Gäste zurück waren, kam die bittere Arbeit: Alle weiteren Reisen bis eigentlich jetzt wurden storniert. Ausnahmen waren Estland und die Azoren. Die meisten unserer Gäste haben aber zum Glück nicht storniert, sondern umgebucht, das verschafft uns und den Partnern in den Zielgebieten natürlich etwas Luft in der Liquidität. Wir haben alle Gäste, die nicht umbuchen wollten, den kompletten Resiepreis erstattet. Und wir waren täglich erreichbar, anders als die großen Konzernveranstalter mit drei Buchstaben, die sich einfach vor den Gästen verkrochen hatten. Es war nicht leicht, aber das sind wir unseren Gästen schuldig.

Wie war das mit den Flügen und den Hotels?

Sehr viel Ärger hatten (und haben wir noch immer) mit den Fluggesellschaften. Wir hatten alle Flüge für unsere Gäste natürlich bereits bezahlt und ausgestellt. Und trotz Unterstützung durch die Bundesregierung haben die Airlines es nicht für nötig erachtet, uns diese Flüge rechtzeitig zu erstatten, damit wir das Geld an unsere Gäste weiterreichen konnten. Die allermeisten unserer Gäste hatten dafür Verständnis und warteten mit der Auszahlung bis die Airline uns den Flug erstattet hatte. Ganz herzlichen Dank an dieser Stelle, denn eines ist klar: Rein rechtlich müssen wir die Flüge innerhalb von vierzehn Tagen erstatten, egal ob wir das Geld von der Airline bekommen haben oder nicht. Ohne diese tollen Gäste wäre es bei uns mit der Liquidität auch eng geworden, wir reden hier von mehreren Hundertausend Euro. Die skandinavischen und baltischen Airlines haben sofort zurückbezahlt - die deutschen Airlines gar nicht, erst in den letzten Tagen kleckert das Geld hier ein. Ein Skandal in meinen Augen, vor allem die Lufthansa hat sich hier nicht mit Ruhm bekleckert

Einige Airlines werden die Krise sicher nicht überleben, diese Flüge haben wir unseren Gästen bereits erstattet. Vorsichtshalber. 

Die meisten unserer Partner in den Reiseländern haben uns die geplanten Reisen komplett erstattet oder kostenlos umgebucht. Nicht alle, aber einige. Eine unglaubliche Solidarität, die wir vor allem von unseren kleinen Partneragenturen erfahren haben. Ganz herzlichen Dank hierfür. 

Gäste, die nicht bei einem Veranstalter gebucht haben, sind meistens auf den Kosten sitzen geblieben. 

Wie ist die aktuelle Buchungslage?

Wir haben als Fernreisespezialist natürlich so gut wie keine Buchungen oder Anfragen im Moment. Unsere Reisen nach Estland und auf die Azoren haben uns ein paar Einnahmen beschert, aber das reicht natürlich nicht, um die Fixkosten zu denken. 

Costa Rica, Kuba, Namibia und Tansania sind unsere Hauptdestinationen, diese sind aber im Moment noch wegen Reisewarnungen nicht gebucht worden. Wir hoffen, dass sich das bald ändert, denn diese Länder warten sehnsüchtig auf Gäste - genau so wie wir! 

Familie_Stoll_Uganda_2020
Familie Stoll auf Safari in Uganda

Relativ sorgenfrei in die Zukunft!

Wir arbeiten im Moment als erweiterter Familienbetrieb. Conni, Elisa, Paul und Rainer sind eigentlich täglich im Büro oder im Homeoffice und buchen Reisen um, sprechen mit den Gästen, entwickeln Strategien und neue Konzepte. Unsere anderen Mitrbeiter sind leider in Kurzarbeit, manche mehr, manche weniger. Jara und Anne sind im Moment viel mit Beratung, Umbuchung und IT-Strategie beschäftigt. Zwei unserer Kolleginnen sind in Elternzeit und zwei haben sich neue Herausforderungen außerhalb der Touristik gesucht - eigentlich verständlich. Leider haben auch wir Kündigungen aussprechen müssen, so bitter es ist, aber die Aussichten für 2021 sind nicht so, dass wieder annähernd das Niveau von 2019 erreicht werden kann. Aber wenn es wieder losgeht, sind wir gut gerüstet. 

Wir haben nicht genutzte Teile unseres Büros untervermietet, die Fixkosten auf ein Minimum heruntergefahren, Investitionen verschoben.  

Wir haben einen Kredit der KfW in Anspruch genommen und die Überbrückungshilfen der Bundesregierung. Alle Maßnahmen zusammen erlauben uns, den Betrieb relativ sorgenfrei in die Zukunft zu führen. Die neuen Sicherungsscheine für 2021 haben wir ohne Auflagen erhalten, Ihr Reisepreis ist also bei uns auch in den nächsten Jahren gegen Insolvenz abgesichert.  Das ist heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr! 

Gibt es neue Reisen?

travel-to-nature wird für 2021 natürlich auch der Situation gerecht und wird Reisen noch mehr Touren nach Europa anbieten. Wir wollen uns hierbei aber nicht verzetteln, sondern auch hier in Deutschland und Europa nachhaltige Reisen mit dem Schwerpunkt Tierbeobachtungen anbieten. Mit gewohnter Qualität, in kleinen Gruppen, mit hervorragenden Reiseleitern. Das dauert natürlich Zeit, aber spätestens im Herbst werden wir die Reisen online haben und uns auf Eure Buchungen freuen. 

Im Fernreisebereich arbeiten wir an besonders covidsicheren Reisen. Eine neuen Idee ist es, Reisen mit Driverguide nicht nur in Namibia, Tansania u.s.w. anzubieten, sondern auch in Kuba und Costa Rica. Mit unserem Newsletter halten wir euch immer auf dem Laufenden. 

Die Krise als Chance

Wie ich auch im Podcast von Hin und Weg erzählt habe, birgt eine Krise immer eine Chance. Wir haben uns verschlankt, unsere Kinder sind in die Firma eingestiegen, wir erweitern die Produktpalette und wir arbeiten inzwischen meistens von zuhause. 

Wir werden in Zukunft unseren Vertriebsweg umstellen. Unsere individuellen Reisen werden künftig noch schneller und noch besser beraten. Die Angebote bekommen Sie dann als Link mit umfangreichen Informationen. 

Die Stornobedingungen werden sich ändern. Sie als Gast wollen möglichst flexibel bleiben, darauf werden und wollen wir reagieren. Trotzdem müssen wir ein System finden, wie unsere qualitativ hochwertige Beratung auch vergütet wird. Ein Balanceakt, an dem wir noch arbeiten. 

Was sagt mein Blick in die Glaskugel?

Die Menschen werden sich garantiert nicht alle für nachhaltigen Tourismus entscheiden, dazu ist die Geiz-ist-geil-Mentalität bei uns zu fest in den Hirnen verankert. Aber von vernünftig denkenden und engagierten Menschen wird es eine verstärkte Nachfrage nach Reisen geben, die sich darum kümmern, wie unsere Welt in Zukunft aussieht. Fernreisen werden garantiert weniger gebucht werden, das sind wir schon allein dem Klimaschutz schuldig. Abe es gibt vielfältige Gründe FÜR die Fernreise (Entwicklungshilfe, Artenschutz, Erweiterung des eigenen Horizonts u.s.w.) und da sind wir bei travel-to-nature seit Anbeginn gut aufgestellt, wir gelten als Pioniere des Nachhaltigen Reisens. Von daher werden wir da gute Chancen haben, wenn es einen wirksamen und gesundheitsunbedenklichen Impfstoff gibt. 

Wir haben sehr viele Gäste, die uns die Treue halten und schon jetzt darauf warten, wieder mit uns loszufahren. 

Wir bleiben also optimistisch und freuen uns auf Euer Feedback an rainer@traveltonature.de

Herzlichen Gruß

 

Rainer Stoll 


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