Typisch kubanisch! – Freizeitbeschäftigung im kolonialen Kuba
15.06.2015 | Autor: Enrique Perez

Typisch kubanisch! – Freizeitbeschäftigung im kolonialen Kuba

Zigarren und Tabakfelder, charakteristische Architektur im Stil der spanischen Kolonialzeit, sowie Tanzclubs und Salsamusik prägen das Bild von Kuba. Jedoch hat auch das Domino spielen auf der größten Insel der Karibik einen hohen historischen und kulturellen Stellenwert. Wie es dazu kam und wie es hier gespielt wird erzähle ich euch jetzt…

Kubas Original
Ein traditionelles Dominospiel, so wie ihr es vermutlich von Zuhause kennt. Das ist doch eher was für ältere oder Kinder könnte man denken. Nicht so auf Kuba. Hier ist das Dominospiel quasi Volkssport Nr. 1. Es ist unmöglich durch Havannas Straßen zu schlendern, ohne den hitzigen Diskussionen der Kubaner beim Domino zu lauschen. Gespielt wird aber im ganzen Land, in jedem noch so kleinen Örtchen und zu jeder erdenklichen Uhrzeit. Unteranderem auf der Straße, in den eigenen vier Wänden und sogar beim Feiern. Durch etliche lokale Regelvarianten ist das Spiel deutlich komplexer als die klassische Version und es fällt selbst einem Kubaner schwer, den Durchblick zu behalten. Und das nicht nur wegen der Regeln, denn es werden auch zwei unterschiedliche Versionen gespielt. Im Westen Kubas kämpfen die Teams um die Zahlen 0-9 im Osten des Landes dagegen nur um 0-6. Warum das so ist? Da bin selbst ich überfragt.

Leidenschaft pur!
Das faszinierendste am Domino ist, was während des Spiels zwischen den Mitspielern passiert. Früher oder später kommt der Moment, in dem die Leidenschaft überhandnimmt und aus einer gemütlichen Runde purer Ernst wird. Aus Freunden werden für den Moment Konkurrenten. Die Stimmung ist angespannt, aber trotzdem friedlich. Und keine Sorge, alles was gesagt wird bezieht sich ausschließlich auf das Spiel und wird auch nach dem Spiel niemandem Übel genommen. Wir nennen es „Die Hitze des Spiels“ und hoffen mit den „strategisch“ platzierten, störenden Kommentaren unsere Spielgegner zu verunsichern und aus der Ruhe zu bringen. Ganz wichtig ist auch die auf Kuba bekannte Regel: Wer am lautesten spricht, hat recht, und zwar einmal durch die Bank weg, egal ob Tabakbauer, Reiseleiter oder Universitätsprofessor.

Ein Lebensgefühl das vereint
Es ähnelt sehr einem Schach oder Pokerspiel. Man muss bluffen können, Kopfrechnen und die Reaktionen, Gestik und Mimik des Gegners genauestens analysieren, um den nächsten Spielzug vorhersehen zu können. Deshalb auch die nicht wirklich Knigge-feine Art wie wir während eines Dominospiels miteinander umspringen. Am Ende steht natürlich der Wunsch zu gewinnen, aber es geht dabei viel mehr um Freundschaft, Brüderlichkeit und Zusammengehörigkeit – wir treffen Freunde, essen, trinken und lachen gemeinsam. Wenn ihr bei einer Kuba-Reise die Chance bekommt bei einem kubanischen Domino Spiel zuschauen oder sogar selbst mitspielen zu dürfen, nutzt sie! Es ist garantiert eine Erfahrung, die euch in Erinnerung bleiben wird, denn bei keinem anderen Spiel kommt die facettenreiche Art meines Volkes besser zum Vorschein.
„Menschen hören nicht auf zu spielen, weil sie alt werden, sie werden alt, weil sie aufhören zu spielen!“ (Oliver Wendell Holmes (1809 - 1894))

  • Belebter Platz in Trinidad auf Kuba
  • Spielende Schulkinder auf Kuba
  • Kubaner beim Domino spielen

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