Autofahren in Namibia
12.07.2019 | Autor: Paul Stoll

Autofahren in Namibia

Die wichtigsten Tipps für Selbstfahrer

Bereits nach den ersten Kilometern unserer Mietwagenreise ist uns klar, dass das Autofahren in Namibia nur sehr schwer mit dem Fahren im deutschen Straßenverkehr zu vergleichen ist. Wir sind unterwegs auf staubigen Schotterpisten, treffen hier und da auf ein paar Tiere, bewegen uns aber generell eher durchs Niemandsland. Irgendwie komisch, aber mit einem Dachzelt auf dem Jeep auch die perfekte Möglichkeit, Namibia ganz individuell zu erkunden.

Nach anfänglichen – nennen wir es technischen – Schwierigkeiten läuft das Autofahren in Namibia dann doch so langsam rund und wir können unseren Roadtrip in vollen Zügen genießen. Worauf ihr beim Autofahren in Namibia achten solltet, verrate ich euch hier.

Namibia Geländewagen Wüste

Willkommen im Linksverkehr

Der wohl offensichtlichste Unterschied wird direkt beim Einsteigen in den Mietwagen klar, denn mit hoher Wahrscheinlichkeit geht es euch wie mir und ihr steht an der falschen Türe. Einmal ums Auto rum – in Namibia wird links gefahren –, Motor starten, Licht einschalten und dann kann die abenteuerliche Autofahrt losgehen! Sobald ich auf der für mich falschen Seite hinter dem Lenkrad sitze, fühlt es sich eigentlich ganz normal an und ich stürze mich mutig in den Straßenverkehr. Ein paarmal benutze ich den Scheibenwischer anstelle des Blinkers beim Abbiegen, doch nach einigen Kreuzungen ist meine Scheibe sauber genug und ich habe den Dreh raus. Hat man es erstmal aus Windhoek herausgeschafft, öffnet Namibia seine Tore zu einer endlos erscheinenden Wüstenlandschaft und die Straßenschilder und Kreuzungen verlaufen sich wortwörtlich im Sand.

Geteerte Straßen sind in Namibia eher eine Seltenheit und so fahre ich hauptsächlich auf sandigen Schotterpisten durch das Land. Die namibischen Straßen sind mit Buchstaben versehen, die den Autofahrern verraten, welche Art von Straße sie erwartet. Bei A- und B-Straßen könnt ihr euch auf teilweise sehr gut ausgebaute Teerstraßen freuen. Bei C-Straßen handelt es sich um sehr gute und bei D-Straßen um passable Schotterstraßen. Von E-Straßen rate ich euch dringend ab, denn hierbei handelt es sich meistens um einfache Feldwege, die gerne ins Niemandsland führen und auf denen man tagelang durch die Einsamkeit fährt – ohne genau zu wissen, wo man sich eigentlich befindet.

Mit viel Feingefühl über Schotterpisten

Das Autofahren in Namibia erfordert vor allem auf den Schotterpisten eine hohe Aufmerksamkeit des Fahrers, denn der wechselnde Untergrund kann teilweise für Überraschungen sorgen. Selbst auf C-Straßen können urplötzlich gefährliche Bodenwellen auftauchen, welche die Höchstgeschwindigkeit von 80 Kilometer pro Stunde rechtfertigen. An die Geschwindigkeitsbegrenzung solltet ihr euch nicht nur aus Sicherheitsgründen, sondern auch wegen den vermehrten Polizeikontrollen wirklich halten.

Besonders beim Fahren auf den dicht aufeinanderfolgenden Straßenrinnen, auch als „Wellblechuntergrund“ bezeichnet, wird vom Fahrer einiges an Gefühl gefordert. Auf den Rillen finden die Reifen kaum halt und gerade in Kurven kann es bei zu hoher Geschwindigkeit etwas rutschig werden. Zu langsam dürft ihr allerdings auch nicht fahren, da ihr sonst wie auf einem Rodeo-Pferd durchgeschüttelt werdet. Doch keine Angst, mit der Zeit kriegt ihr raus, wie sich euer Jeep auf dem Untergrund verhält und ihr schwebt geschmeidig über die Straßen Namibias.

Wenn auf der Schotterpiste weit und breit kein anderes Auto zu sehen ist und ihr gute Sicht habt, könnt ihr auf die Mitte der Fahrbahn ausweichen. Am Rand der Schotterstraßen verstecken sich manchmal Löcher, die ihr auf diese Weise einfach umfahren könnt. Außerdem hat man in der Mitte der Straße bessere Chancen, wilden Tieren auszuweichen, die in letzter Sekunde die Fahrbahn kreuzen. Vor Anhöhen solltet ihr jedoch schnell wieder auf die linke Fahrbahn wechseln, da die entgegenkommenden Autos erst spät auszumachen sind. 

Kommt ein Auto auf euch zu, ist es empfehlenswert, so weit links wie möglich und etwas langsamer zu fahren. So könnt ihr einerseits Steinschläge auf der Windschutzscheibe vermeiden und der Staubwolke des entgegenkommenden Autos so gut es geht ausweichen. Bei den staubigen Wegen wird es euch auf jeden Fall kurz die Sicht nehmen. Aber so schnell die Wolke erscheint, ist sie auch wieder weg und bei angepasster Geschwindigkeit stellten Situationen wie diese für mich nie ein Problem dar.

Namibia Camping

Namibia Wüste im Rückspiegel

Offroad-Abenteuer für Mutige

Großen Spaß macht natürlich auch offroad fahren! Viele Farmen haben extra Straßen für Geländewagen mit Allradantrieb angelegt, auf denen ihr eure Fahrkünste testen könnt. Wichtig ist, dass ihr zu zweit unterwegs seid und genügend Benzin und Wasser an Bord habt. Außerdem ist es für den Fall einer Panne ratsam, der Lodge oder dem Campingplatz, wo ihr übernachtet, Bescheid zu geben, wohin ihr fahrt und um welche Uhrzeit ihr wieder zurück sein wollt. Meistens hat man in Namibia zwar Handyempfang, bei Offroad-Abenteuern kann dieser jedoch spärlicher ausfallen und dann ist man für alle Fälle gewappnet.

Wer sich noch nicht ganz sicher ist, dem lege ich das Buch: „'Auf Pad' im 4x4 Camper – Camping in Namibia: Tipps und Tricks für Selbstfahrerreisen im Südlichen Afrika“ ans Herz. Das Buch ist wirklich ein praktischer Reisebegleiter.

Ihr seht, das Autofahren in Namibia ist mit dem in Deutschland kaum zu vergleichen. Es ist weder besser noch schlechter – einfach anders.  Wenn ihr mich nach meinem persönlichen Fazit fragt, dann kann ich euch nur sagen, dass es immer wieder riesigen Spaß macht, alleine und unabhängig dieses wunderschöne Land und die unglaublichen Weiten Namibias auf vier Rädern zu erkunden. Mit dem Jeep durch den Sand zu manövrieren ist definitiv mein Highlight beim Autofahren in Namibia. Mal abgesehen vom Fahren des Geländewagens ist das Schlafen im Dachzelt genial. Wenn die Sonne am Horizont aufgeht, ihr euren Zelt-Reißverschluss öffnet und in unmittelbarer Nähe eine Elefantenherde beobachtet, ist das einfach der Wahnsinn! Ich kann diese Art des Urlaubs nur jedem empfehlen.


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