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Das Pantanal!

Gekommen für den Jaguar, verliebt in die Artenvielfalt

Paul Stoll / 30.01.2026 Blog author avatar

Das Pantanal in Brasilien – das größte zusammenhängende Sumpfgebiet der Erde und etwa halb so groß wie Deutschland – gilt als eines der letzten echten Naturparadiese unseres Planeten. Es ist das biodiverseste Ökosystem Südamerikas und ein Traumziel für Naturfreunde, Tierfotografen und Safari-Fans.

Um es mit Zahlen zu fassen: Im Pantanal leben 656 Vogelarten, 263 Fischarten, 122 Säugetierarten und 93 Reptilien. Über 75 Prozent der Fläche stehen in der Regenzeit von Dezember bis April unter Wasser. Wenn sich die Fluten in der Trockenzeit zurückziehen, entstehen zahllose kleine Lagunen – wahre Magneten für Vögel, die sich an gefangenen Fischen bedienen. Auch viele Säugetiere zieht es jetzt zu den Flüssen – allen voran den Jaguar (Panthera onca).

Schätzungsweise 3.000 bis 5.000 Jaguare leben im Pantanal – die höchste Dichte weltweit! Kein Wunder also, dass sich das Gebiet zu einem der besten Orte für Jaguarbeobachtungen in Südamerika entwickelt hat. Viele Besucher reisen genau deswegen hierher: um sich ihren Traum zu erfüllen, einmal einem frei lebenden Jaguar zu begegnen.

Ich mache keinen Hehl daraus – auch ich bin wegen dieser faszinierenden Katze, der größten Südamerikas, ins Pantanal gereist. Nach langer Recherche entschied ich mich für eine lokale Agentur, die mit internationalen Naturfilmproduzenten und bekannten Fotografen zusammenarbeitet – eine Entscheidung, die sich als goldrichtig erwiesen hat.

Jaguarpärchen kämpft

Zwischen Kaimanen, Tümpeln und Transpantaneira

Meine Reisezeit fiel ans Ende der Hauptsaison, die von August bis Mitte Oktober dauert – der beste Zeitraum für Jaguar-Safaris im Pantanal. Die Temperaturen sind dann nicht mehr ganz so extrem und hin und wieder bringt ein kurzer Regenschauer Abkühlung.

Meine Anreise über die legendäre Transpantaneira, eine unasphaltierte Piste mit mehr als 120 Brücken, glich einer kleinen Rutschpartie. Doch schon am Straßenrand zeigten sich hunderte Kaimane, Störche, Ibisse und Jabirus – ein wahres Wildlife-Spektakel. Nach rund vier Stunden erreichten wir Porto Jofre, das Herz der Jaguarregion.

Anstatt in einer Lodge zu übernachten, entschied ich mich bewusst für ein Hotelboot im Pantanal, mitten im Jaguargebiet. Der Vorteil: Direkt zum Sonnenaufgang starten, wenn kaum andere Boote auf dem Fluss unterwegs sind. Die Kabinen waren einfach, aber sauber – mit Klimaanlage, eigenem Bad und familiärer Atmosphäre. Kein Luxusurlaub, aber pures Naturerlebnis.

Die beiden Köchinnen an Bord zauberten täglich frische brasilianische Gerichte – von Fisch aus dem Cuiabá-Fluss bis hin zu Reis, Bohnen und hausgemachtem Kuchen.

Da ich früh ankam, blieb Zeit für eine spontane Bootstour auf dem Rio Cuiabá, dem Hauptfluss des nördlichen Pantanals. Schon nach wenigen Minuten entdeckte ich Pantanal-Brüllaffen – die Weibchen und Jungtiere beige, die Männchen tiefschwarz. Ich liebe dieses lautlose Dahingleiten über das Wasser, während das Leben des Pantanals um mich erwacht.

Auf einer Sandbank tummelten sich dutzende Amerikascherenschnäbel – seltene, vom Aussterben bedrohte Vögel, die mit ihrem auffälligen Schnabel Fische aus der Wasseroberfläche schneiden. Kurz vor Sonnenuntergang sah ich noch einen Cocoireiher, der gerade einen Piranha gefangen hatte – und ihn erst mühsam töten musste, bevor er ihn hinunterschluckte.

Am Abend fiel ich müde, aber überglücklich in mein Bett – und ahnte noch nicht, dass der nächste Tag unvergesslich werden würde.

Feutchgebiete im Pantanal von oben

Mein erster Jaguar - ein Moment für die Ewigkeit

Um fünf Uhr morgens gab es Frühstück, und um halb sechs saß ich mit meinem Guide im Safariboot – ausgestattet mit bequemen Drehsesseln, Kamerastativen und Motorflüstermodus. Wir hatten kaum abgelegt, da entdeckten wir ihn: meinen ersten Jaguar im Pantanal.

Er lag majestätisch auf einem Baumstamm über dem Fluss, die Sonne tauchte sein Fell in goldenes Licht. Vom Boot ließ er sich nicht stören – seit in den 1970er-Jahren Bootsafaris im Pantanal gestartet wurden, haben sich die Tiere an die Boote gewöhnt, ähnlich wie Löwen an Jeeps in Afrika.

Was in den nächsten Tagen folgte, war pures Wildlife-Glück. Insgesamt konnte ich 17 verschiedene Jaguare beobachten – teils einzeln, teils im Paar. Ich sah sie beim Jagen, Schwimmen, Ruhen - manche Beobachtungen dauerten weit über eine Stunde!

Die Flusslandschaften wechselten ständig: dichter Galeriewald, dann wieder offene Savannen, gesäumt von Palmen. Zwischen den Uferböschungen sonnten sich Kaimane, Riesenfischer stießen ins Wasser und hier und da tummelten sich Riesenotter im kühlen Nass.

Zwei Personen beobachten einen Jaguar vom Boot aus

Begegnungen im Reich der Tiere – das wahre Pantanal-Erlebnis

Doch das Pantanal ist weit mehr als nur Jaguare. Ich hatte das Glück, auch viele andere Tierarten zu sehen: einen Großen Ameisenbären, der mit seinen 15 Zentimeter langen Krallen selbst einen Jaguar in Schach halten kann, Tapire, Gürteltiere, Capybaras und unzählige Wasservögel.

Bei einer Safari zu Land öffnete sich die Landschaft noch weiter: endlose Savannen, durchzogen von Wasserlöchern und Buschinseln. Hier entdeckte ich Nandus, Krabbenfüchse, Rotfußseriemas und ganze Schwärme von Hyazinth Aras, die über mich hinwegflogen. Besonders am frühen Morgen, wenn Nebel über den Gräsern liegt, wirkt das Pantanal fast mystisch.

Mein Fazit

Nach einer Woche in diesem Naturwunder war mir klar: Ich war wegen des Jaguars gekommen – und hatte mich in die unglaubliche Artenvielfalt des Pantanals verliebt. Für mich ist es einer der magischsten Orte dieser Erde – ein Traumziel für jeden, der Naturreisen in Brasilien, Wildlife Fotografie oder einfach pure Wildnis erleben möchte.

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FAQ

Wann ist die beste Reisezeit für das Pantanal?

Die beste Reisezeit für das Pantanal liegt zwischen Juni und Anfang November, also außerhalb der Regenzeit. In dieser Trockenperiode versammeln sich viele Tiere an den verbliebenen Wasserstellen – perfekte Bedingungen für Tierbeobachtungen und Fotografie.
Die Hauptsaison von August bis Anfang Oktober bringt allerdings Temperaturen von über 50 °C und viele Boote auf den Flüssen mit sich, was die Sichtungsqualität beeinträchtigen kann.
Tipp: Der Zeitraum von Mitte bis Ende Oktober bietet oft ein ideales Gleichgewicht – weniger Boote, angenehmeres Klima und weiterhin gute Chancen auf Wildtiersichtungen, inklusive Jaguaren.

Gibt es Dengue oder Malaria im Pantanal?

Nein, das Pantanal ist weitgehend frei von Dengue und Malaria.
Der Grund: Während der Regenzeit füllt sich das Pantanal großflächig mit Wasser, das nach der Trockenzeit abfließt und damit potenzielle Brutstätten für Moskitos fortspült. Zudem ist es in den heißen Sommermonaten selbst für Dengue-Mücken zu heiß.
Wichtig: Moskitos gibt es trotzdem – daher unbedingt ein Insektenschutzspray für die Abendstunden einpackeeinpacken.

Welche Kleidung sollte ich im Pantanal tragen?

Für eine Safari oder Fotoreise im Pantanal ist funktionale, lange Kleidung unverzichtbar.

Trage UV-undurchlässige, atmungsaktive Langarmkleidung für Bootsfahrten.

Ein Buff oder Halstuch schützt Gesicht und Nacken vor Sonne und Staub.

Sonnenhut, Sonnenbrille und ggf. leichte Handschuhe schützen zusätzlich vor der intensiven Strahlung.
Tipp: Kleidung in neutralen Naturtönen hilft, Tiere nicht zu verschrecken und bleibt bei Hitze angenehm.

Benötige ich ein Stativ auf dem Boot?

Ein Stativ ist im bewegten Boot meist unpraktisch. Durch Wellen oder Strömung ist ein sicherer Stand kaum möglich. Außerdem ändern sich Tiersichtungen oft blitzschnell – da ist Flexibilität gefragt.
Moderne Kameras verfügen über exzellente Bildstabilisatoren, sodass du auch aus der Hand gestochen scharfe Fotos und Videos machen kannst. Ein Beanbag oder eine kleine Auflage kann bei Bedarf helfen.

Gibt es eine Jaguar-Garantie im Pantanal?

Eine 100 % Jaguar-Garantie gibt es in der Natur nie – Wetter, Wasserstände oder Wilderei können Sichtungen beeinflussen.
Dennoch gilt: Das Pantanal ist weltweit der beste Ort, um freilebende Jaguare zu beobachten. Die Chancen, auf einer mehrtägigen Safari gleich mehrere Tiere zu sehen, sind außergewöhnlich hoch – oft täglich und teils aus nächster Nähe.

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