Wie geht es eigentlich unseren Freunden in...Tansania?
02.11.2020 | Autor: Elisa Stoll

Wie geht es eigentlich unseren Freunden in...Tansania?

In diesem Blogbeitrag möchten wir euch aus Tansania berichten. Dort leben und arbeiten unsere Freunde Debbie und Horst. Die beiden können allen nur empfehlen, gerade jetzt nach Tansania zu reisen, da man die wunderschöne Natur beinahe für sich alleine hat. Wie sie die Corona-Krise ansonsten wahrnehmen und was wir von den Menschen in Tansania lernen können, erfahrt ihr im Blogbeitrag.

ZU DEN TANSANIA-REISEN

Wie sieht euer Alltag aus?

Im Prinzip ist unser Alltag ähnlich wie vor der Krise auch, zumindest zur Zeit, da wir wieder einige wenige Gäste betreuen können. Wir planen Safari und Bergbesteigungen in ganz überschaubaren Mengen, freuen uns über jedes Kundengespräch und hoffen Woche für Woche auf Besserung der Gesamtsituation.  Im Frühling konnte man per Flugzeug Tansania nicht mehr erreichen und es gab überall einen harten Lockdown. Damals hatten wir natürlich überhaupt keine Gäste. Jetzt kommen wieder die ersten “Mutigen” und entdecken die Serengeti wie zu Grzimeks Zeiten. Diesen Gästen kann man nur gratulieren, denn sie erleben eine einzigartige Natur fast für sich alleine.

Wie ist der Lockdown in Tansania gestaltet? Kann man normal rausgehen, einkaufen? Mit Maske? Zu bestimmten Zeiten?

Im April und Mai waren hier ebenfalls Schulen geschlossen und Freizeitaktivitäten in der Gruppe untersagt. Märkte und Geschäfte blieben jedoch offen, da die Menschen hierzulande oft keine finanziellen Reserven haben und einfach arbeiten gehen müssen, bzw. ihre landwirtschaftlichen Produkte verkaufen müssen, um über die Runden zu kommen. Da sich in den letzten Monaten die Coronasituation in Tansania und den Nachbarländern sehr zum Guten gewendet hat, gibt es zur Zeit nur wenige Einschränkungen. In der Touristik heißt das, dass Hotelmitarbeiter in geschlossenen Räumen Maske tragen, überall Handwaschmöglichkeiten aufgebaut sind, Handdesinfektionsmittel sind zugänglich, Tische stehen weiter auseinander etc.  Man kann jedoch ohne Maske einkaufen gehen, auch deshalb weil die meisten Einkäufe draußen statt finden. Gaststätten sind i.d.R. nur überdachte Biergärten, so dass auch hier keine Einschränkungen mehr herrschen, außer dass ggf. Tische weiter auseinander stehen.

  • Eine Herde Thomson-Gazellen in Tansania
  • Elefant mit Jungem an See im Tarangire-Nationalpark

Wie gehen die Einwohner Tansanias mit der Situation um?

Man kann von Afrikanern beim Umgang mit schweren Lebenssituationen nur lernen. Wir mussten z.B. über 30 Mitarbeiter entlassen. Alle wissen, dass keiner daran die Schuld trägt. Es ist einfach passiert. In einer solchen Situation macht man dann einfach das Beste daraus. In Tansania sterben jährlich 40.000 Menschen an Malaria. Aber auch durch die ständige Präsenz anderer (Tropen-) Krankheiten wie z.B. Hepatitis, Gelbfieber bis hin zu Ebola, hat die Menschen auch mental abgehärtet. Man weiß, dass es Krankheiten gibt und dass man an manchen auch sterben kann. Da in Tansania kaum Menschen an Corona sterben, spielt dieses Virus hier im Bezug auf den Krankheitsverlauf kaum eine Rolle und man wundert sich warum eine, für afrikanische Verhältnisse vergleichsweise recht ungefährliche Krankheit, solche Aufmerksamkeit bekommt. Die Auswirkungen der zur Bekämpfung der Pandemie getroffenen Maßnahmen hingegen, spüren natürlich sehr viele Menschen. 

  • Zebra mit jungem Fohlen in Tansania
  • Löwe mit Kind in Tansania

Welche Auswirkungen hat es auf die Menschen, sind viele arbeitslos und steigt dadurch die Gefahr, dass das Virus sich schneller verbreitet?

Die zweifellos gestiegene Arbeitslosigkeit hat meiner Ansicht nach kaum eine Auswirkung auf die Verbreitung des Virus. Da Arbeitslose aber auch ihre Krankenversicherung verlieren, führt dies dazu, dass man bei Krankheit nicht mehr zum Arzt geht. D.h. viele Menschen bleiben bei Malariaschüben oder anderen “gängigen” Krankheiten oft zu Hause, weil sie sich die Behandlung nicht mehr leisten können. Die Kollateralschäden die durch die eingebrochene Tourismuswirtschaft entstehen sind gravierend. 

Können die Tansanier getestet werden und werden regelmäßige Tests durchgeführt?

Ja, jedes große Krankenhaus hat Teststationen. Es dauert manchmal 3-4 Tage bis das Ergebnis feststeht, aber Tests können durchaus gemacht werden. Gesunde Menschen werden jedoch nur selten getestet. i.d.R. geschieht dies nur bei medizinischer Indikation, bzw. vor einer geplanten Reise wenn der Test Pflicht ist.

  • Safari im Ngorongoro-Krater
  • Massai-Dorf im Umland des Ngorongoro-Kraters

Wie geht es euch, der Partneragentur, und all den anderen Leistungsträgern (Reiseleiter, Hotels, Fahrer,...)?

Zum Glück haben wir nicht nur deutsche Kunden, sondern auch Schweizer, Schweden, Österreicher, Franzosen etc. Für die Schweiz ist Tansania kein Risikogebiet, daher spricht man in der Serengeti zur Zeit Schweizerdeutsch und die Eidgenossen nutzen diese Einzigartigkeit die Wildnis quasi für sich zu haben. Österreicher können bei Rückreise einen Test machen und sind danach von der Quarantäne befreit, so ist es auch in vielen anderen Ländern. Die Deutsche Regierung will ab 08.11 bei Rückreise aus einem Risikogebiet eine Mindestquarantäne von 5 Tagen einführen bzw. empfielt dies den Ländern. Dann dürfte man erst nach diesen 5 Tagen den Test machen. Das ist de facto ein neuer Lockdown für die Tourismuswirtschaft, da niemand für eine Urlaubsreise eine Woche extra Urlaub nehmen will oder kann.

Was sind eure Hoffnungen, Ziele für 2021?

Eine Kontrolle des Virus scheint trotz Lockdowns kaum möglich. Daher hoffen wir, dass eine mögliche Impfung der ganzen Situation die Dramatik nimmt und wir die umgebuchten 2020er Touren im kommenden Jahr durchführen können. Wenn 2021 ein ähnliches Jahr wird wie 2020, werden wir und viele andere lokale Touristiker die Krise finanziell nicht überstehen.

  • Gnuherde im Tarangire-Nationalpark in Tansania
  • Giraffenköpfe in Tansania

Kann man schon wieder nach Tansania reisen? Gibt es besondere Bestimmungen, die man beachten muss?

KLM, Qatar und Ethiopean Airlines fliegen Tansania wieder regelmäßig an. Logistisch ist eine Reise nach Tansania überhaupt kein Problem, aber die Verunsicherung der Menschen ist nach wie vor groß. Ich war selbst vor einigen Wochen in Europa und hatte die entspannteste Flugreise seit 30 Jahren. Ein halb leerer Flieger, nirgends Gedrängel und kein langes Anstehen.

Wir haben zum Glück jetzt wieder einige Kunden, aber natürlich kein Vergleich zu früher. Für den Gast ist diese Situation natürlich schlichtweg herrlich, da man weltbekannte Naturschönheiten wie die Serengeti, den Kilimanjaro oder den Ngorongorokrater fast für sich hat. 

Bei Einreise nach Tansania ist kein negativer Coronatest vorgeschrieben. Man muss jedoch ein Kontaktformular ausfüllen und am Flughafen und an den Nationalparkgates wird Fieber gemessen. Der Safariguide ist neben den Mitarbeitern in den Unterkünften, die alle gut durchdachte Hygienekonzepte anwenden, die einzige Kontaktperson mit der man es länger zu tun hat. Der Guide kann auf Wunsch vor der Reise auch einen Coronatest durchführen. Es gibt wohl kaum eine Reiseart, die im Bezug auf Corona sicherer ist als eine private Safari durch die afrikanische Wildnis. 

  • Geländewagen für Safari
  • Eine Gasse in Sansibars Altstadt Stone Town

Gibt es besondere Projekte in Tansania, die unsere Gäste durch Spenden unterstützen können?

Wir versuchen die Mitarbeiter*innen, denen wir durch die Coronasituation kündigen mussten, weiter zu unterstützen und haben hierzu einen sogenannten “FoodFond” aufgelegt. Jede Hilfe hierzu ist selbstverständlich willkommen. Nähere Infos bekommt ihr, wenn ihr auf den Button "Jetzt spenden" klickt.

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Zu den Tansania-Reisen

Blick in den Ngorongoro-Krater

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