Besuch im Corcovado-Nationalpark
16.08.2019 | Autor: Ivana Kubin

Besuch im Corcovado-Nationalpark

Exkurs in die letzte Bastion tropischer Vielfalt im Süden Costa Ricas

Vor wenigen Monaten war ich auf einem FAM-Trip in Costa Rica unterwegs. Es war nicht mein erster Besuch im Garten Eden Mittelamerikas, doch dieses Mal gab es eine Premiere, auf die ich mich sehr gefreut habe: ein Besuch im Corcovado-Nationalpark.

Die Anzahl der Besucher, die sich pro Tag in diesem Park aufhalten dürfen, ist limitiert, damit die Ruhe der hier lebenden Tiere gewährleistet ist. Corcovado gilt als die letzte Bastion für viele gefährdete Arten, unter anderem dem Großen Ameisenbär, dem Jaguar und dem Tapir.

Auf ins Abenteuer

Frühmorgens werden wir von einem Boot direkt am Strand vor unserer Lodge abgeholt und sausen etwa eine Stunde lang über das offene Meer. Eskortiert von Fregattvögeln und Delfinen erreichen wir den Strand des Sektors La Sirena. Der Parque Nacional Corcovado ist in sechs Sektoren unterteilt: San Pedrillo, Sirena, La Leona, Los Patos, Los Planes und El Tigre.

In Begleitung unseres englischsprachigen Guides betreten wir dieses einmalige Gebiet ursprünglichen Regenwaldes in Mittelamerika. Schon auf den ersten Metern zeigt er uns eine Gruppe von Klammeraffen; die kleinen Äffchen tollen ausgelassen im Geäst der uralten Tropenriesen herum, andere geben sich der Körperpflege hin, einer futtert eine Frucht und wieder andere halten ein Nickerchen. Unweit der Affenschar entdecken wir hoch oben in den Baumkronen, kaum erkennbar für ungeschulte Touristenaugen, ein Faultier. Es ist unglaublich, wie friedlich diese Welt hier doch ist.

Hin und wieder sieht man Pärchen der scharlachroten Aras am Himmel. Diese wunderschönen Tiere, die ihrem Partner ein Leben lang treu bleiben und bis zu 70 Jahre alt werden können, gehören in Corcovado zum Alltagsbild – während sie andernorts längst zu den bedrohten Tierarten zählen.

Costa Rica Klammeraffe

Costa Rica hellroter Ara

Erkundungstour entlang des Pazifik

Je nach Trail legt man im Parque Nacional Corcovado einen Teil der Strecke am Strand zurück. Das erinnert mich an den Nationalpark bei Cahuita, ist aber noch viel schöner und vor allem ist man nahezu allein. Auch wir kommen vom dichten Wald wieder an den Strand zurück und picknicken mit Blick auf das azurblaue Meer. Es ist einer dieser unbeschreiblichen Momente, in denen man zu 100 % spürt, am Leben zu sein. Ich atme die leicht salzige Meeresbrise tief in meine Lungen ein, schließe die Augen und lausche den Geräuschen des Dschungels hinter mir.

Als ich meine Augen wieder öffne, um einen Bissen von meiner köstlichen Empanada zu nehmen, bin ich umzingelt von einer Armada ulkig aussehender Einsiedlerkrebse. Ich nehme einen hoch, um sein Zuhause – ein wirklich schönes Schneckenhaus – genauer zu betrachten. Unsere Wanderung geht weiter entlang des einsamen Sandstrandes. Nach kurzer Zeit beobachten wir einen Nasenbären, der in aller Seelenruhe dabei ist, das Eierversteck einer Meeresschildkröte zu plündern.

Erfolgsmodell der Evolution

Von unserem Guide erfahren wir, dass es sieben verschiedene Arten Meeresschildkröten auf der Welt gibt. Fünf kommen an die Karibik- und Pazifikstrände des Landes, um ihre Eier abzulegen. Überhaupt sind diese sanften Meeresbewohner faszinierende Wunder der Evolution. Nur etwa alle drei Jahre kehren die Weibchen an den Strand ihrer Geburt zurück, verbuddeln in einem Akt riesiger Anstrengung ihre Eier und überlassen sie dann ihrem Schicksal.

Wir erfahren auch, dass die Meeresschildkröten in weiser Voraussicht die unbefruchteten Eier schützend auf die befruchteten legen. Nachdem sich alle natürlichen Fressfeinde aus dem nahe gelegenen Wald und der Luft am Gelege bedient haben, müssen die geschlüpften Minischildkröten den weiten Weg ins vermeintlich sichere Nass zurücklegen. Dort wird noch mal gründlich natürliche Auslese betrieben und nur 1 % schafft es tatsächlich, allen Gefahren an Land und im Wasser zu trotzen und sich zu einer ausgewachsenen Meeresschildkröte zu entwickeln. Bis zu 80 Jahre alt können sie werden. Ihre Lebensweise ist auch heute noch relativ unerforscht.

Der Mensch ist ihr größter Feind

Neben Schwertwalen und Haien gibt es nur eine Spezies, die den wunderschönen Tieren gefährlich werden kann: der Mensch. Trotz zahlreicher nationaler und internationaler Konventionen werden sie ihres Fleisches und Panzers wegen noch immer gejagt, verenden in Fischernetzen oder durch die riesigen Mengen an Plastikmüll, der in unseren Weltmeeren umhertreibt. Alle sieben der weltweit vorkommenden Arten sind mittlerweile vom Aussterben bedroht. Das ist traurig mit anzusehen und ich wusste das alles irgendwie auch vor meiner Reise. Doch wenn man tatsächlich an so einem unfassbar atemberaubenden Ort wie dem Parque Nacional Corcovado verweilt, wird einem auf brutale Art und Weise schlagartig bewusst, dass wir handeln müssen, und zwar alle gemeinsam – sonst verlieren wir den Artenreichtum und die natürliche Vielfalt, die uns geschenkt wurde, für immer.

Erlebnisse, die prägen

Bewegt und dankbar, diese Wanderung machen zu dürfen, folgen wir unserem Guide auf einem Trampelpfad zurück in den dichten, tropischen Regenwald. Die neugierigen Klammeraffen folgen uns und hin und wieder muss man den Resten achtlos fallen gelassener, exotischer Früchte ausweichen. An einer Flussmündung weist unser Guide uns an, ruhig zu warten, während er ein Stück vorangeht und uns dann aus einiger Entfernung aufgeregt zuwinkt. Auf leisen Sohlen nähern wir uns ihm. Plötzlich steht er da, ohne Vorwarnung, im ruhigen Wasser – ein Tapir.

Man muss genau hinsehen, weil dieses entfernt mit dem Nashorn verwandte Wesen, das eher einer Mischung aus Warzenschwein, Esel und Elefant gleicht, bis zum Hals im Wasser steht. In kurzen Abständen taucht er mit seinem Kopf auf und ab. Dank des Teleskops von unserem Guide können wir diesen Augenblick auch mit unseren Handykameras festhalten und den Tapir genaustens beobachten. Er stellt seine Ohren auf, lauscht, erträgt bereitwillig eine Fliege, die ständig um seinen Kopf schwirrt und nach einer ganzen Weile Atem anhalten bewegt er sich schließlich entlang des Flussbettes und verschwindet im dichten Geäst des Regenwaldes.

Wow! Ich muss euch das breite Lächeln auf unseren Gesichtern sicherlich nicht erklären. Damit hatten wir wirklich nicht gerechnet und ich weiß, dass ich davon noch meinen Urenkeln erzählen werde. In einem Zustand äußerster Glückseligkeit erreichen wir die Ranger Station von La Sirena. Leichter Tropenregen setzt ein, wir sitzen unter dem Dach der Station und nehmen unser Vesper ein, umgeben von Natur pur. Anschließend geht es zurück zum Boot, das uns einige Stunden vorher ins Paradies gebracht hatte.

Begleitet von einem tropischen Wolkenbruch gelangen wir zum Eingang des Parks. Kaum sitze ich im Boot, bahnt sich die Sonne ihren Weg durch die Wolkendecke, sodass wir bei schönstem Wetter den Rückweg zu unserer Lodge antreten.


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