Belize – Wo ist das denn? Das wurde ich immer wieder gefragt, als ich erzählte, dass ich bald auf eine Inforeise nach Belize fliegen würde. Belize ist ein kleines Land in Mittelamerika, eingezwängt zwischen Yucatan im Norden, Guatemala im Westen, und Honduras im Süden. Nur im Osten hat es Zugang zum karibischen Meer. Aber was für eins! Vor Belize erstreckt sich das zweitgrößte Barrier Riff der Welt.
Ich freute mich also auf einen Trip nach Zentralamerika, mit seiner tropischen Pflanzen- und Tierwelt, sagenumwobenen Mayatempeln (ja, die gibt es auch hier!) und einer atemberaubenden Unterwasserwelt. Anders als bei meinen anderen Reisen in dieses Fleckchen Erde musste ich für diese Reise kein Geld wechseln, meine Spanischvokabeln nicht auffrischen und auch sonst keinerlei Vorkehrungen treffen. Einzig die Anreise barg ein gewisses Hindernis, da Belize fast nur über Nordamerika angeflogen werden kann und dort i.d.R. auch eine Übernachtung notwendig ist. Aber was nimmt man nicht alles auf sich, um einmal ein Land zu besuchen, das kaum einer kennt und Sehnsuchtsort ist.
Bei Ankunft am Flughafen hat Belize gleich mein Herz gewonnen: Eine kurze Landebahn, ein winziges buntes Flughafengebäude und unglaublich herzliche Menschen. Die Reise konnte losgehen. In den kommenden Tagen sollte ich innerhalb kürzester Zeit so viel erleben, dass ich gar nicht mehr genau weiß, wie das zeitlich überhaupt möglich war: Schwindelgefühle auf dem Mayatempel, Dahingleiten auf Reifen über einen Dschungelfluss, absolute Dunkelheit in einer Mayahöhle, Gewecktwerden von Brüllaffen, Herstellen eigenen Schokolade, Riechen von Ylangylang, Schnorcheln mit Stachelrochen und vieles mehr. Lasst euch überraschen…
Region Cayo: San Ignacio & die Black Rock Lodge
Die erste Station meiner Reise war das Hinterland in der Region Cayo (nicht zu verwechseln mit den Cayos – den vorgelagerten Inseln!). In der Umgebung des Städtchens San Ignacio haben sich einige Naturlodges an den Flussläufen des Macal River und Mopan River angesiedelt. Ich hatte das Glück und durfte in der Black Rock Lodge nächtigen. Sie liegt etwas abseits und ist in 30 Minuten Fahrt über Schotterpiste von San Ignacio aus erreichbar.
Die holprige Anfahrt lohnt sich! Die Lodge liegt direkt am Macal River einzigartig in der Natur ohne weitere Bebauung. Man wohnt in individuellen Cabanas unterschiedlicher Kategorie. Die Gemeinschaftsräume sind offene strohgedeckte Holzhäuser, von wo aus man Vögel beobachten, eine erfrischende Limonade schlürfen oder in der Gruppe Karten spielen kann. Eigentlich kann man sich den ganzen Tag in und bei der Lodge beschäftigen, Kajaks für eine Tour über den Macal River buchen, die Wanderwege zu einem Aussichtspunkt hoch oberhalb des Flusses erwandern oder den Bauerngarten der Lodge besuchen.
Vor allem Birder kommen auf Ihre Kosten. Überall zwitschert und hüpft es. Mein ungeschultes Auge hat bei einem morgendlichen Spaziergang durch den Hotelgarten eine Vielzahl an Kolibris entdeckt und mehr schlecht als recht auf der Kamera festgehalten. Beim abendlichen Rückweg in die Cabana bin ich dem ein oder anderen Fröschchen über den Weg gelaufen.
Ich hätte gut und gerne noch etwas mehr Zeit dort verbracht, doch gab es für mich in Belize noch mehr zu entdecken.
Die Welt der Maya – Xunantunich, Maya Mountains & Cave Tubing
In ganz Belize findet man Zeugnisse der früheren Mayakultur. Das ist nur logisch, denn schließlich entstand diese große Zivilisation im südlich gelegenen El Salvador und breitet sich über Honduras und Guatemala bis ins nördlich gelegene Yucatan aus. Die heutigen Grenzen spielten damals noch keine Rolle, und so hängt die Geschichte aller Mayastätten eng miteinander zusammen.
Im Norden Lamanai, im Süden Lubantuun und im Osten Xunantunich. Das sind nur einige der Namen bekannter Mayastätten, die man heutzutage in Belize besuchen kann. Auf den meisten Programmen steht ein Besuch von Xunantunich (gesprochen: Schuhnantunitsch). Im Gegensatz zu Tikal im benachbarten Guatemala ist diese Stätte nur mittelgroß, dafür aber die meiste Zeit über wenig besucht. Schon die Anreise ist ein Besuch wert, denn man muss in San Ignacio mit einer handgekurbelten (!) Fähre über den Mopan River. Klingt komplizierter als es ist: Einfach auffahren, Überfahrt zahlen und sich rüberkurbeln lassen. Auf der anderen Seite geht es über ein kurzes holpriges Stück Schotterpiste bis zum großen Parkplatz. Schnell noch die Flasche mit gekühltem Wasser wiederauffüllen (die meisten Transportanbieter denken nachhaltig!), ein Tuch gegen die Sonne überwerfen und schon geht es zur archäologischen Zone. Dachte ich zumindest, doch da entdeckten wir eine Gruppe Klammeraffen durch die Bäume ziehen und einen Leguan im Baum chillen. Also erst einmal diese unerwarteten Motive vor die Linse kriegen!
Irgendwann sind wir dann doch an der großen Plaza angekommen und waren beeindruckt von der Großzügigkeit dieser Rasenfläche. Von hier aus sieht man bereits die größte Pyramide, die wir daraufhin über deren Rückseite erklommen haben. Oben angekommen musste ich mich erst einmal mit dem Rücken an die Wand lehnen, da mich doch ein wenig Höhenangst packte. Die Aussicht auf die umliegenden Berge bis nach Guatemala und auf die unter mir liegenden nur teilweise ausgegrabenen Pyramiden hat das ungute Gefühl aber schnell weggeblasen. Hier hätte ich noch lange verweilen können.
Was mich aber besonders an Xunantunich fasziniert hat, waren die Rundbauten, die es so bei keiner anderen Mayastätte gibt. Ebenso beeindruckend sind die Fresken mit typischen Darstellungen aus der Kosmologie der Maya: ein Jaguar für die Erde, eine Schlange für die Unterwelt und ein Vogel für den Himmel. Na, könnt ihr das ein oder andere entdecken?
Die Maya Mountains, so nennt sich das Gebirge in der Grenzregion zu Guatemala, bestehen aus Kalkstein. Über Jahrtausende hinweg haben sich hier unzählige Höhlen und Höhlensysteme gebildet – Orte, die schon die Maya kannten und nutzten. Für sie waren es Eingänge in die Unterwelt. An diesen heiligen Stätten brachten sie ihre Toten dar oder hinterließen Opfergaben. Und genau in einen solchen „Eingang“ sollte ich bei meinem nächsten Erlebnis eintauchen.
Cave Tubing – Auf dem Dschungelfluss in die Unterwelt
Ausgestattet mit Schwimmweste und Wanderschuhen, aber nur in Badesachen, machten wir uns auf den Weg zum Cave Tubing. Doch was genau ist das eigentlich? Ganz einfach: Man gleitet auf Autoreifen (Tubes) entspannt über einen langsam dahinfließenden Dschungelfluss, genießt die Ruhe und beobachtet die üppige Flora und Fauna entlang der Ufer. Es fühlt sich an, als würde man einen Ort erreichen, den man auf keine andere Weise entdecken könnte.
Bis dahin alles sehr entspannt. Doch dann kommt der Teil mit der Höhle.
Wir ließen uns treiben, bis nach einigen Flussbiegungen der Eingang der Höhle sichtbar wurde – und sich plötzlich „die Unterwelt öffnete“. Der Fluss wurde schmaler, sodass wir an einer Kiesbank von unseren Reifen steigen und sie ein Stück in die Höhle hineintragen mussten. Im Halbdunkel kletterten wir wieder auf und glitten weiter – hinein in die Ungewissheit.
Schon bald war unsere einzige Lichtquelle die Stirnlampe. Meter fühlten sich wie Kilometer an. Immer wieder mussten wir anhalten, aussteigen, die Reifen tragen und weitergehen. Schließlich erreichten wir eine große Höhlenhalle – das wurde uns jedoch erst bewusst, als unser Guide mit seiner starken Taschenlampe das gesamte Ausmaß sichtbar machte.
Wir kletterten ein Stück höher, entdeckten Zeichnungen an den Wänden und Überreste zerbrochener Artefakte – Opfergaben der Maya, die diesen Ort einst als heilig betrachteten. Es war gleichermaßen faszinierend wie beklemmend, denn wir befanden uns tief im Inneren einer Höhle.
Und dann kam der Moment, den ich nie vergessen werde.
„Alle Lichter aus.“
Schlagartig waren wir von absoluter Dunkelheit umgeben. Keine Umrisse, keine Orientierung, keine Bewegung – nur völlige Schwärze. Ein Zustand, der sich kaum beschreiben lässt. In diesem Moment wurde mir bewusst: Wie muss es für die Maya gewesen sein, die ohne jede technische Unterstützung in diese Höhlen vorgedrungen sind?
Region Toledo: Karibische Stimmung, Trommelklänge & scharfe Sauce
Genug von vergangenen Zeiten, dunklen Orten und tiefem Dschungel? Na, dann ist meine nächste Station genau das Richtige! Wir verlassen die Maya Mountains und fahren über einen sehr gut ausgebauten Hummingbird Highway durch unterschiedlichste Landschaften von Hügeln, fruchtbaren Ebenen, flache Küstenebene, überholen dabei bunt lackierte US-Schulbusse, Pferdekutschen der Mennoniten, werden überholt von Luxuskutschen in XL-Format oder zugewunken von Fahrradfahrern.
Nach längerer Fahrt erreichen wir schließlich die Region Toledo im Süden des Landes. Hauptstadt und Herz der Region ist Punta Gorda – oder auch PG, wie es von seinen Einwohnern genannt wird. Ich fühle mich, als wäre ich in einem anderen Land. Karibikküste, Mangroven, bunte Holzhäuser, Trommelklänge auf den Straßen und alles ganz entspannt. Willkommen im laid back Belize! Ich freue mich auf die Einkehr in einem der vielen Küstenrestaurants mit bunt gemalter Speisekarte, Cocktail in der Hand, Percussion oder Reggae im Background und kreolischem Essen auf meinem Teller. Dabei darf die bekannte Mary Sharp Sauce nicht fehlen. Mein Favorit ist Green Habanero, aber das soll jeder selbst erschmecken (ich übernehme keine Haftung für Schäden an den Geschmacksnerven!). Ihr wollt wissen, wie es weitergeht? Dann lest meinen zweiten Teil des Reiseberichts
Hier noch einige FunFacts:
Royal-Fans aufgepasst! Belize hieß vor seiner Unabhängigkeit British Honduras. Bis heute ist das britische Königshaus immer wieder zu Gast in diesem kleinen Land. Zuletzt Prinz William und Kate im März 2022 oder die Queen im Jahr 1985. Beide Male wohnten die Royals im San Ignacio Resort. Dort kann man sich heute ganz regulär in die Zimmer einmieten.
Ylang Ylang: Diese Blüte wächst an einem tropischen Baum, ist gelb-grün, leicht herabhängend und sehr intensiv duftend. Warum ich dies erwähne? Für mich war diese unscheinbare, schnell verwelkte Blüte ein „Nasen“-Öffner: Ylang-Ylang ist eine DER Schlüsselnoten von Chanel N°5. Ich konnte mich einfach nicht sattriechen.
Flüssige Schokolade war bei den Maya der Trunk der Götter und wird heute noch vielerorts getrunken. Darunter darf man sich aber keine „Heiße Schokolade“ wie aus dem Wiener Café vorstellen. Nein, es ist vielmehr ein erfrischendes leicht bitter schmeckendes Getränk mit aufputschendem Charakter. Kinder würden es vermutlich eher verschmähen, ich fand es sehr bereichernd.
Reisevorschlag
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